Together

 

Autorin: Lena

Charaktere: Lili, Bill, Tom, Melanie, Georg, Gustav, Bills und Toms Mutter

 

Ich lief alleine am Strand entlang. Niemand war zu sehen. Plötzlich kam ein Junge aus dem Wasser gelaufen. Er hatte lange schwarze Haare und in diesen hatte er vereinzelte weiße Strähnen. Ich lief einfach weiter und beachtete den Jungen nicht. „Hey du!“, rief plötzlich jemand und da nur ich gemeint sein konnte, drehte ich mich um. Ich sah, wie der Junge auf mich zu gerannt kam. „Hey.“, keuchte er und stützte sich mit seiner Hand an meiner Schulter ab. „Du… Weißt du, wo das Grand Canar Hotel ist?“, fragte er. „Ehm, ja. Ich kann dich da hin bringen.“, meinte ich und begutachtete ihn misstrauisch. Er hatte ein Shirt und eine Hose an. Jedoch waren diese Klamotten ziemlich zerrissen. „Das ist gut.“, hustete er und klappte kurz darauf zusammen. Ich sank neben ihm auf die Knie und nahm meine Wasserflasche, die sich in meinem Rucksack befand, und kippte den Inhalt über sein Gesicht. Er keuchte und prustete und machte die Augen wieder auf. „Scheiß Hitze.“, sagte er schwer atmend und griff nach meiner Flasche. Er leerte den Inhalt und gab mir die Flasche wieder. Ich stand auf und er erhob sich langsam. „Können wir?“, fragte ich. Er nickte leicht und sah noch einmal zum Meer. Kleine Tränen bildeten sich in seinen Augen, aber er wischte sie schnell weg und sah wieder zu mir. Ich lief los und er folgte mir. Plötzlich hörte man Gekreische. Ich drehte mich um zu dem Jungen und sah, wie 5 Mädchen auf ihn zu rannten. „Lauf!“, rief er und ich rannte los. Er folgte mir, aber nach weniger Zeit konnte er einfach nicht mehr. Die Mädchen waren verschwunden. Ich gab ihm noch etwas zu trinken und er hustete ein wenig. Dann kamen wir an dem Hotel an und er stürzte hinein. An der Rezeption sah man auf und die Dame kam, sofort als sie den Jungen erblickte, angelaufen und gab ihm einen Bademantel. „Ist ihnen kalt? Wo sind die anderen? Soll ich ihren Manager anrufen? Sie haben sich alle Sorgen gemacht.“, ratterte die Frau runter. „Ganz langsam. Rufen sie meinen Manager an und bringen sie bitte was zu Essen und zu Trinken auf mein Zimmer.“, sagte der Junge und setzte sich in Bewegung. Vor dem Fahrstuhl blieb er stehen und drehte sich zu mir um. „Kommst du?“, fragte er und ich lief schnell zu ihm. Der Fahrstuhl kam und wir stiegen ein. Ich stand auf der einen Seite des Fahrstuhls, der Junge auf der anderen. „Wir müssen in den 300. Stock.“, sagte er. „Was?!“, fragte ich. „Nein, Scherz. 10. Stock. Ganz oben halt.“, sagte er und grinste leicht. Ich drückte auf den Knopf und der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung. Ich sah aus den Augenwinkeln zu dem Jungen und plötzlich sah er zu mir rüber. Ich sah schnell weg und wurde leicht rot. „*Pling*… 4. Stockwerk“, kam es aus dem Lautsprecher. Ich wippte nervös mit dem Fuß. Plötzlich legte sich eine Hand auf mein Bein. Ich hörte auf, mit dem Fuß zu wippen und sah hoch und direkt in die, leicht mandel- geformten, braunen Augen des Jungens.  Er lächelte sanft. Sein Gesicht ähnelte eher dem eines Mädchens, aber er war definitiv ein Junge, denn er würde sonst sicher nicht seine Tränen unterdrücken, wie vorhin am Strand. Ich lächelte leicht zurück und er kam langsam näher. „*pling*… 6. Stockwerk“, kam aus dem Lautsprecher und er zuckte kurz erschrocken zusammen. Dann sah er wieder zu mir. Er lächelte leicht und kam noch näher. Dann spürte ich seinen Atem sacht auf meinen Lippen und auf meine Nase streichen. Ich sah in seine Augen und öffnete meine Lippen ein wenig, sodass ein kleiner Spalt entstand. „*pling* …10.Stockwerk“, drang es wieder aus dem Lautsprecher. Der Junge atmete einmal tief ein und dann öffnete sich auch schon die Tür des Aufzugs. Er verließ den Aufzug und ich folgte ihm langsam. Ich sah mich vorsichtig um. Es war das Dachapartment des Hotels und nur für besondere Leute zur Verfügung. Ich folgte dem Jungen in das Wohnzimmer und sah, dass überall Klamotten rum flogen und auf dem Boden standen 4 große Taschen. „Ach ja, ich habe ja noch gar nicht gesagt, wie ich heiße.“, meinte der Junge und drehte sich zu mir um. „Ich heiße Bill.“, sagte er und reichte mir die Hand. Ich umfasste sie vorsichtig und er schüttelte meine Hand. „Und wie heißt du?“, fragte er und verschwand mit dem Gesicht in einer der Taschen. „Ich… ehm… Ich heiße… ehm… Lili.“, stammelte ich. „Oh, schöner Name.“, sagte Bill und lächelte. Dann nahm er etwas aus der Tasche und verließ das Zimmer. Kurz darauf hörte man die Dusche rauschen. Ich setzte mich auf das Sofa und sah mich erneut um. Plötzlich fiel mein Blick auf eine Zeitschrift, die achtlos auf dem Boden lag. Ich hob sie auf und mich traf der Schlag. Bill war berühmt?! Er war in einer Band? Ich schlug die Zeitschrift auf und las sie mir durch. Plötzlich ging die Tür vom Bad auf. Bill kam wieder raus und hatte jetzt was anderes an und strubbelte mit einem Handtuch seinen Haare trocken. „Was ist das?“, fragte ich. Er sah auf die Zeitschrift und er schluckte. „Eine Zeitschrift aus Deutschland.“, sagte er leise. „Und wer ist das?“, fragte ich und deutete auf die 3 Jungen, die neben Bill auf dem Cover abgebildet waren. „Das sind meine Freunde und mein Bruder.“, sagte er und es trieb ihm Tränen in die Augen. „Was ist denn?“, fragte ich und ging zu ihm. „Es ist so schlimm.“, weinte er und fiel mir um den Hals. „Wir waren hier im Urlaub und gestern sind wir auf eine Schiffsrundfahrt oder so und nachts ist ein Unwetter losgebrochen. Das Schiff sank und wir wurden getrennt. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll! Bevor wir ins Wasser gefallen waren, hatte Tom mir noch gesagt, dass das gut enden wird und dass ich mir keine Sorgen machen muss und keine Angst haben und jetzt ist er weg.“, schluchzte Bill und drückte mich fester an sich. „Pscht…“, sagte ich leise und strich ihm mit der Hand über den Rücken. „Alles wird gut werden.“, sagte ich leise, aber er riss sich sofort los. „Sag das nicht! Dann wird es bestimmt nicht gut werden…“, schrie er und sank dann in sich zusammen. Ich kniete mich zu ihm runter und nahm ihn in den Arm. Er zitterte und weinte. Plötzlich flog die Tür auf und ein Mann kam herein gestürmt. „Bill!“, rief er aus und kniete sich zu ihm runter. Ich ließ ihn los und ging ein paar Schritte rückwärts. „Bill, was ist passiert?“, fragte der Mann sanft. „Alle sind sie weg!“, weinte Bill und krallte sich mit seinen Händen in die Arme des Mannes. „Ist schon gut. Wir werden sie suchen.“, sagte er und Bill sah ihn an. „Werden wir sie denn finden?“, fragte er schluchzend. Der Mann nickte. „Wir müssen Optimistisch bleiben. Wir werden sie bestimmt finden.“, sagte er. „Ich sehe das nicht so.“, sagte ich, ohne es richtig zu wollen. Die beiden sahen mich an. „Sie werden das nicht überlebt haben. Gestern Nacht gab es ein so schlimmes Unwetter, es ist ein Wunder, dass  Bill überlebt hat.“, sagte ich und begann heftig zu zittern. „Bill, du hast doch eine so gute Verbindung zu Tom, kannst du nicht nach ihm rufen?“, fragte der Mann. Ich sank auf die Knie und begann zu weinen. Bill sah verwirrt zu mir. „Was hast du?“, fragte er und nahm mich in den Arm. „Sie werden auf jeden Fall tot sein! Sie könnten nicht überlebt haben! Nur du hattest Glück.“, schrie ich weinend und krallte mich in Bills Rücken fest. „Warum nicht?“, fragte Bill. „Vor 10 Jahren, da war ich auch mit meinen beiden besten Freundinnen und meiner Schwester hier und wir haben auch so eine  Bootstour gemacht und dann war da auch so ein Unwetter. Nur ich habe überlebt. Nur ich…“, wisperte ich. Bill drückte mich fester an sich. „Ich weiß, das kommt jetzt alles wieder hoch, aber bitte. Sag so was doch nicht. Ich hab doch schon genug Angst um sie. Wenn sie weg wären, dann würde mir das das Herz zerbersten.“, flüsterte Bill mir zu. „Das hat es mir damals auch… Deswegen bin ich hier geblieben und gehe oft am Strand entlang. An diesem Strand, wo nie jemand anderes lang geht und oft schreie ich auch das Meer an.“, sagte ich und schluchzte. Bill strich mir beruhigend über den Rücken. „Ist ja gut.“, sagte er leise und ich beruhigte mich ein wenig. Plötzlich klingelte das Handy des Mannes. „Ja?...Was?!... Wir kommen sofort!“, sagte er und legte wieder auf. „Sie haben Gustav gefunden!“, rief er aus und Bill sprang auf. „Schnell!“, sagte er und der Mann und er rannten zum Aufzug. Ich hockte immer noch auf dem Boden und stand nicht auf. „Kommst du?“, fragte Bill, als er merkte, dass ich nicht komme. Ich stand langsam auf und folgte ihnen in den Fahrstuhl und dann zu einem schwarzen Van. Ich und Bill saßen hinten in einem abgetrennten Teil des Wagens. Ich hatte meinen Kopf an Bills Schulter gelehnt und weinte noch ein bisschen vor mich hin. Er hatte seinen Kopf an meinen angelehnt und auch bei ihm kullerten ein paar Tränen. Der Wagen hielt wieder und die Tür wurde aufgemacht. Der Mann bat uns auszusteigen und dann standen wir vor einem Krankenhaus. Bill zitterte leicht. Er hatte Angst, dass Gustav ihn nicht sehen wollte und er hatte Angst, vor dem Bild, das sich ihm bieten würde. Ich nahm vorsichtig seine Hand und drückte sie. „Alles wird gut.“, sagte ich und er nickte leicht. Dann folgten wir dem Mann in das Krankenhaus. „Gustav Schäfer, welches Zimmer ist das?“, fragte der Mann die Dame an der Rezeption. „Zimmer 125 im 2. Stock.“, sagte sie und wir gingen zu den Aufzügen. Wir fuhren in den 2. Stock und suchten das Zimmer. Als wir es dann fanden, klopfte der Mann und jemand sagte schwach „Herein“. Der Mann öffnete die Tür und trat ein. Bill kämpfte noch mit sich. „Hey, alles wird gut. Er lebt doch.“, sagte ich zu ihm und strich ihm durch seine langen Haare. Er nickte und nahm wieder meine Hand dann betraten wir den Raum. In einem Bett lag der blonde Junge von dem Cover der Zeitschrift. Er sah blass aus, aber sonst schien es ihm gut zu gehen. Bill atmete erleichtert auf. „Geht es dir gut?“, fragte der Mann Gustav. Dieser nickte. „Mir ist nur noch in wenig schwummrich. Wasser in den Lungen tut auch nicht so gut.“, lächelte er. „War ja klar.“, lachte Bill und ging zu Gustav. „Was?“, fragte dieser. „Ja, du machst schon wieder Witze und dabei bist du fast gestorben.“, sagte Bill etwas leiser. Er ließ sich auf einen Stuhl fallen und sah traurig zu Boden. „Wo sind die anderen?“, fragte Gustav. „Noch nicht gefunden.“, sagte der Mann. Bill weinte schon wieder. Ich nahm ihn in den Arm. „Hey, keine Angst. Sie haben sie bestimmt bald gefunden.“, meinte ich und er nickte leicht. „Hoffentlich.“, sagte er leise. „Hey Bill! Seit wann reißt du die Mädchen auf? Das macht doch immer nur Tom oder manchmal auch Georg.“, lachte Gustav, aber er verstummte sofort wieder, als er merkte, dass das Bill noch mehr zum weinen brachte. „Ist ja gut.“, sagte ich und strich mit meiner Hand beruhigend über Bills Rücken. „Ich vermisse sie so.“, schluchzte Bill und lehnte seinen Kopf an meine Schulter. „So sehr.“, flüsterte er und schlief dann nach weniger Zeit in meinen Armen ein. Ich sah zu Gustav. „Er ist eingeschlafen.“, sagte ich leise. Gustav lächelte. „Ja, den kleinen nimmt das sehr mit.“, sagte er und ich nickte. Ich lehnte meinen Kopf an die Wand und schlief auch kurz darauf ein.

 

Als ich wieder aufwachte, sah ich in Bills schlafendes Gesicht. Ich richtete mich auf und sah, dass wir in Gustavs Zimmer waren und, dass nun noch jemand auf dem Zimmer lag. Ich rieb mir die Augen und blinzelte. „Na, ausgeschlafen?“, fragte Gustav grinsend. Ich nickte und gähnte. „Wer ist das?“, fragte ich und deutete auf den anderen Jungen, der nun hier mit im Zimmer lag. „Das ist Georg.“, sagte Gustav. Bill wurde langsam wach. „Was?“, nuschelte er und richtete sich langsam auf. Als er Georg sah, breitete sich ein leichtes Lächeln auf Bills Gesicht aus. „Hey.“, sagte Bill und Georg nickte. „Wo ist Tom?“, fragte Bill. „Noch nicht gefunden worden.“, sagte Georg und Gustav nickte traurig. Plötzlich ging die Tür auf und der Mann kam reingestürmt. „Tom wurde gefunden!“, rief er aus. Bill sprang vom Bett und sah ihn an. „Wo ist er?!“, fragte er. „Im OP. Er hat einige Verletzungen und sie müssen das Wasser aus seinen Lungen pumpen.“, sagte der Mann. Bill rannte los und ich folgte ihm kurz darauf. Er stand vor einer Glastür und hatte seine Hände auf die Scheibe gelegt. „Hey.“, wisperte ich und legte eine Hand auf seine Schulter. Er drehte sich zu mir um und lächelte leicht. Dann nahm er mich in den Arm. „Danke.“, wisperte er. „Wofür?“, fragte ich. „Für alles.“, sagte er und verschwand hinter der nächsten Ecke. Ich war total verwirrt. Noch sehr lange stand ich einfach da und sah auf die Stelle, wo er verschwunden war. Plötzlich bekam ich wieder einen Anfall und knallte hart mit dem Kopf auf dem Boden auf. So Anfälle hatte ich öfters und diesmal war keiner da, der mir helfen konnte. Die Glastür wurde geöffnet und ich hörte weit entfernt Stimmen. Ich merkte, wie man mich hoch hob und dann wurde ich wo drauf gelegt. Dann bekam ich rein gar nichts mehr mit.

 

Ich wachte auf und sah mich um. Wo war ich? Ich sah neben meinem Bett einen Jungen sitzen. Er hatte den Kopf in seine Arme gelegt und schlief. Ich wusste nicht, wer der Junge war und ich konnte mich an gar nichts mehr erinnern. Mein Kopf tat sehr weh und ich sank mit ihm wieder in mein Kissen. Die Tür ging leise auf. „Bill? Bist du hier?“, fragte jemand leise. Ich sah zur Tür und sah einen Jungen mit dunkelblonden Dreadlocks. Er kam leise in den Raum und lächelte, als er den Jungen auf meinem Bett schlafen sah. Dann sah er zu mir und sein Lächeln verschwand. „Hallo.“, sagte er und lächelte wieder. „Hallo.“, sagte ich leise und sah aus dem Fenster. „Wie geht es dir?“, fragte der Junge und setzte sich neben den anderen Jungen. „Gut.“, sagte ich knapp und sah den Regentropfen zu, wie sie an der Scheibe runter liefen. Der andere Junge wachte langsam auf. „Was?“, gähnte er und sah sich um. „Du bist hier eingeschlafen, Brüderchen.“, sagte der Junge mit den Dreads. Der andere sah zu mir. „Hey Lili. Du bist ja wach!“ Ich beobachtete weiter die Tropfen an der Scheibe. „Wer ist Lili?“, fragte ich dann. „Na, du!“, sagte der Junge mit den schwarzen Haaren, der Bill zu heißen schien. Ich sah zu ihm. „Nicht, dass ich wüsste.“, meinte ich und er schüttelte lächelnd den Kopf. „Wie heißt du denn dann?“, fragte der Andere. „Ehm.. Ich heiße…. Weiß nicht.“, sagte ich und errötete leicht. „Du heißt Lili.“, sagte wieder Bill. „Vielleicht.“, sagte ich und sah aus dem Fenster und wieder den Regentropfen zu. „Sag mal Lili, warum  hast du mir nichts von deinen Anfällen gesagt? Die Ärzte haben uns das eben erst mitgeteilt, dass du das schon öfter hattest.“, sagte Bill. „Darum.“, sagte ich leise und hustete kurz. „Aber so etwas muss ich doch wissen. Dann hätte ich dich auch nicht alleine gelassen.“, sagte er weiter. Ich nickte kurz. „Ja, ja.“, wisperte ich und sah wieder zu den beiden Jungs. „Wieso fall ich denn immer um?“, fragte ich. „Keine Ahnung.“, sagte der Junge mit den Dreads.  „Aber ich weiß es.“, sagte Bill. Wir sahen ihn an. „Du hast halt einen Kreislaufkollaps gehabt, weil das alles zu viel für dich war und seit dem Unfall hast du ein sehr schwaches Nervensystem, weil deine Schwester und deine beiden Freundinnen ja verunglückt sind und du nicht und du hattest ja so Angst um sie und so… Haben die Ärzte gesagt.“, sagte er. Ich nickte kurz und ließ mich dann in mein Kissen fallen. „Wenn du schlafen willst, können wir auch gehen.“, meinte der Junge mit den Dreads. Bill funkelte ihn böse an. „Nein, nein. Ihr könnt ruhig hier bleiben.“, sagte ich und Bill grinste. „Ich hab Hunger.“, sagte ich und Bill schob ein Tablett zu mir. „Das hat vorhin eine Schwester vorbeigebracht, aber du hast noch geschlafen.“, sagte er und ich lächelte ihn leicht an. Dann aß ich das Essen. Ok, so toll schmeckte es nicht, aber ich hatte scheiße Hunger. Als ich fertig war, stellte Bill das Tablett auf den Tisch im Zimmer. „Und jetzt?“, fragte ich. „Weiß nicht. Die Ärzte wollen dich noch ein, zwei Tage hier unter Beobachtung behalten und dann kannst du gehen.“, sagte Bill. „Na wie geil.“, sagte ich sarkastisch. Bill lachte kurz auf. „Ja, genau.“, sagte er und der andere Junge schien nachzudenken. „Bill, wir fahren morgen wieder.“, sagte er dann. „Was?! Schon?“, fragte Bill. Der andere nickte. „Wo geht ihr denn hin?“, fragte ich. „Wir müssen zurück nach Deutschland.“, sagte Bill. „Oh…“, sagte ich und sah wieder aus dem Fenster. Jetzt stürmte es schon. „Och ne.“, sagte der andere Junge und ich sah wieder zu ihnen. „Es regnet. Da will ich aber nicht durch!“, motzte er. Ich grinste leicht und sah dann wieder aus dem Fenster. „Aber wir werden doch sowieso abgeholt.“, sagte Bill. „Ja, ja. Ok ist schon gut.“, sagte der andere. „Also, wir müssen jetzt leider. Vielleicht sieht man sich ja noch mal.“, sagte Bill und die beiden gingen. „Bye.“, hauchte ich und sank in mich zusammen.

 

 

Das alles ist jetzt ein Jahr her und ich sitze hier auf meiner Terrasse und schreibe diese Ereignisse auf. Jemand hat mir einmal gesagt, dass ich damit mein Trauma besser verarbeiten kann und es scheint zu funktionieren. Ich sehe auf das Meer hinaus und eine Träne läuft meine Wange hinab. Schnell wische ich sie weg und stürze mich wieder in die Arbeit. „Bin wieder zu Hause!“, ruft Elvira durch das ganze Haus. „Ich bin auf der Terrasse!“, rufe ich zurück. Sie kommt zu mir und lächelt. „Schreibst du jetzt doch diese Geschichte?“, fragt sie. Ich nicke. „Ich muss dir was sagen, Lili.“, druckst sie rum. Ich sehe sie erwartungsvoll an. „Ich habe was gewonnen.“, sagt sie. „Na super! Was ist es denn?“, frage ich. „Eine Wohnung in Deutschland. Besser gesagt, in Magdeburg. Ich wurde versetzt.“, sagt sie. Ich sehe sie leicht entsetzt an. „Wir werden morgen früh abfliegen.“, ergänzt sie noch und meine Entsetzung steigt ins Unermessliche. „Am besten du packst jetzt deine Sachen. Die Möbel bleiben hier. Das bleibt unser Haus. Nur halt jetzt unser Ferienhaus.“, sagt sie und verschwindet im Haus. „Och ne.“, maule ich und packe meine Sachen in eine Tasche. Da durchfährt es mich, wie ein Blitz. Bill wohnt in der Nähe von Magdeburg! Aber meine Adoptivmutter nimmt mich trotzdem mit und wenige Tage später stehen wir vor einem großen Haus in Magdeburg. Als wir es betreten, ist bereits alles vorhanden. Ich gehe in mein Zimmer und packe meine Sachen aus. Dann schickt Elvira mich los, damit ich mir die Umgebung mal genauer ansehe. Ich laufe also los und einfach nur durch irgendwelche Straßen. Ich sehe auf den Boden und merke gar nicht, dass mir jemand entgegen kommt. Prompt stoße ich mit diesem Jemand zusammen und wir fallen beide hin. Er ist zuerst wieder auf den Beinen. Freundlich reicht er mir die Hand, damit er mir aufhelfen kann. „Tut mir Leid, ich hab’ dich nicht gesehen.“, sagt er und lächelte. Ich nehme seine Hand und er zieht mich wieder auf die Beine. Ich sehe ihm in die Augen und mich trifft fast der Schlag. In wessen Augen sehe ich da?! Ja, natürlich in Toms. Er grinst und sieht an mir hinab. „Na, Lili.“, lächelt er. „Na, Tom.“, sage ich zurück. „Hey! Du kennst mich noch!“, meint er strahlend. „Und was Bill erst sagen wird, wenn er dich sieht! Warte eben.“ Er rennt ins nächste Geschäft und kommt mit jemandem wieder heraus. Der Jemand hat hellblonde Haare und braune Augen. Es ist Bill. Er lächelt mich an und nimmt mich in den Arm. „Hi Lili.“, flüstert er mir zu. „Hey Bill.“, flüstere ich zurück. Wir trennen uns voneinander und Bill sieht hinter sich. „Mensch, Melanie! Wo bleibst du wieder?!“, ruft er nach hinten. Eine aufgetakelte Blondine kommt zu ihm und nimmt erstmal mit ihren, viel zu rot geschminkten, Lippen Bills ein.

Tom nimmt mich nach einiger Zeit an der Hand, nachdem ich dem Spektakel fassungslos und verwirrt zugesehen hatte. „Wer ist das?“, frage ich ihn. „Bills Neue. Melanie, glaube ich, hat er gesagt. Die will den aber nur flachlegen und sonst will die nichts von ihm. Nur er realisiert das nicht.“, erklärt Tom. Ich sah zu Bill, der mit Melanie mitten auf der Straße stand und sie im Arm hielt. Ich war verdammt neidisch af diese Blondine. Ach herrje! Neidisch auf sie? Ich hatte mich doch wohl nicht in Bill verliebt! Tom grinste mich an. „Du magst das gar nicht, oder?“, fragte er. „Ja.“, seufzte ich und ging weiter. „Hey, warte.“, rief Tom mir nach. „Bill, komm. Wir gehen nach Hause und nein, Melanie darf nicht mitkommen.“, sagte Tom und zog seinen kleinen Bruder hinter sich her. Der winkte Melanie nur noch und dann war sie auch schon weg gegangen. „Was soll das?!“, fragte Bill sauer. „Sag mal, merkst du nicht, dass du Lili weh tust?“, fragte Tom ihn leise. Ich stand hinter der nächsten Ecke. „Was? Warum denn?“, fragte Bill. „Sie ist in dich verschossen.“, meinte Tom. „Echt?“, fragte Bill. „Ja.“, bestätigte Tom. „Och ne. Bitte nicht.“, maulte Bill. „Wieso?“, fragte Tom. „Ich kann sie nicht ausstehen.“, meinte Bill. „Sie hat dir das Leben gerettet!“, schnauzte Tom ihn an. „Ja und?“, fragte Bill und schien weg zu gehen. Tränen liefen meine Wangen entlang. „Du kannst rauskommen.“, meinte Tom leise. Ich schrak zusammen. „Ja, nun komm schon. Ich weiß, dass du da stehst.“, sagte er noch mal. Ich kam hinter der Mauer her und er nahm mich in den Arm. „Das meinte er nicht so.“, sagte Tom leise. „Oh doch!“, schniefte ich. „Nein…“, tröstete Tom mich. „Was mach ich denn jetzt?“, fragte ich schluchzend. „Wir hecken einen Plan aus, um ihn eifersüchtig zu machen und wenn jemand eifersüchtig ist, dann heißt dass, das er verliebt ist.“, sagte Tom grinsend. „Ja, und wie?“, fragte ich. „Wir werden so tun, als ob wir zusammen sind.“, schlug er vor. Ich nickte leicht. „Ok… Wenn es sein muss…“, sagte ich. „Hey, ich will meinen Bruder doch auch glücklich sehen.“, lachte Tom. Ich lächele und nehme ihn in den Arm. „Ok, dann komm mal mit zu mir nach Hause.“, sagte er und ich folgte ihm. Wir liefen Arm in Arm. Als wir da waren, schloss er die Tür auf und bat mich herein. Er warf den Schlüssel auf die Kommode und zog sich Jacke und Schuhe aus. „Bin da, wer noch!“, rief er durchs Haus und als von Bill und ihrer Mutter ein „Ich“ kam, musste ich kichern. „Was denn? Das machen wir öfters.“, lachte Tom und kam zu mir. Er legte seine Hände auf meine Hüfte und küsste mich ganz leicht. Ich grinste ihn an. Jemand kam die Treppe runtergepoltert. „He Tom, Georg und Gustav haben angerufen. Sie wollten sich heute Abend…“, Bill brach ab. Tom löste seine Hände von mir und sah zu seinem kleinen Bruder. „Was wollen sie heute Abend?“, fragte er. „… Eh, sich mit uns in einem Club treffen.“, stammelte Bill. „Aha. Meinst du, Lili kann mitkommen?“, fragte Tom und sah zu mir. „Ehm, weiß nicht. Wieso?“, fragte Bill. „Wir sind gerade erst zusammen, da muss ich ihr doch die anderen besser vorstellen, damit sie Bescheid weiß, mit wem ich so oft weg bin.“, sagte Tom und legte seine Arme von hinten um meinen Bauch. Bill wollte etwas sagen, schloss dann aber doch wieder den Mund und ging hastig die Treppe hoch. „Was machst du?“, rief Tom ihm hinterher. „Ich ruf Melanie an, dass sie auch mitkommt!“, rief Bill mit leicht säuerlichem Unterton. Tom grinste. „Siehst’e der ist total eifersüchtig. Es passt ihm gar nicht, dass ich mit dir zusammen bin.“, sagte Tom und rannte die Treppe hoch. Ich folgte ihm. „Komm!“, sagte er und verschwand in einem der Zimmer. Als ich oben ankam, kam Bill aus dem Zimmer gegenüber von Toms. Als er mich sah, blickte er traurig auf den Boden und lief neben mir vorbei und die Treppe runter. Ich ging zu Tom ins Zimmer und setzte mich auf seine Coach. „Na, was war gerade auf dem Flur?“, fragte Tom. „Er hat traurig zu Boden geschaut und ist die Treppe runter.“, sagte ich und seufzte. „He, der wird schon bald einsehen, wen er liebt.“, versicherte Tom mir. Er setzte sich neben mich und nahm mich in den Arm. Mir liefen Tränen über die Wangen und er wiegte mich sanft hin und her.

Nach einiger Zeit hatte ich mich wieder beruhigt und wischte mir noch die letzten Tränen aus dem Gesicht. Tom saß auf seinem Bett und spielte auf seiner Gitarre. Es klang richtig schön und war sehr beruhigend. Ich setzte mich vor ihn auf das Bett und lauschte seinem Gitarrenspiel. Unten klingelte es an der Haustür und Tom legte die Gitarre beiseite. Er fasste meine Hand und wir liefen die Treppe runter. Im Hausflur standen Bill und Melanie und diskutierten. „He Bill. Wann gehen wir denn jetzt?“, fragte Tom und die beiden sahen zu uns. „Jetzt gleich.“, sagte Bill und küsste Melanie schnell. Dann zog er sich seine Schuhe und Jacke an. Tom tat es ihm gleich. Ich und Melanie standen nebeneinander vor der Haustür und warteten. „Ist er nicht niedlich.“, schwärmte Melanie. „Seine süßen braunen Knopfaugen und seine süße kleine Nase… und sein Mund erst… Einfach traumhaft.“ „Ja, bestimmt.“, sagte ich und sie sah mich leicht verwirrt an. „Meinst du nicht?“, fragte sie. „Nicht wirklich so toll.“, sagte ich. „Aber du bist doch mit Tom zusammen.“, meinte sie. „Ja, und?“, fragte ich verwirrt. „Ja, warum findest du dann nicht, dass er niedlich ist?“, fragte sie. „Hast du von Tom geredet?“, fragte ich. Sie nickte. „Er ist so viel knuffiger, als Bill. Aber die Schnarchnase bemerkt ja auch gar nichts. Ich betrüge ihn doch mit To… Oh, Mist.“, sagte sie und schlug sich mit der Hand vor den Mund. „Du hast was mit Tom am laufen?“, fragte ich. „Ehm… ja. Tut mir Leid.“, sagte sie. Tom kam gerade raus und Melanie sah ihn entschuldigend an. „Was ist denn?“, fragte er. „Ich hab mich verplappert.“, sagte Melanie beschämt. Tom kapierte nicht. „Was hast du verplappert?“, fragte er. „Das mit uns…“, sagte sie und deutete auf mich. „Oh. Na ja, ist ja nicht schlimm.“, sagte Tom und nahm mich in seine Arme. Melanie sah ihn verwirrt an. „He?! Warum nicht schlimm? Sie ist doch deine Freundin!“, meinte sie dann. Tom schüttelte grinsend mit dem Kopf. „Nicht wirklich. Eigentlich ist sie in Bill und ich wollte ihr…“, begann Tom zu erklären. „Du wolltest ihr helfen und Bill eifersüchtig machen…“, lachte Melanie und küsste Tom. Dieser nickte, ließ mich los und erwiderte ihren Kuss. „Melanie, machst du vielleicht mit Bill Schluss? Wenn Lili dann heulend reingeht und so, dann müsste er sie trösten.“, meinte Tom. Melanie nickte und verschwand im Haus. Kurzes Geschreie und dann kam sie wieder raus. „Er ist in seinem Zimmer.“, sagte sie etwas niedergeschlagen. „Und er weint.“, sagte sie noch. Tom nahm sie in den Arm. „Ist gut, du bist doch nicht Schuld. Ok, Lili. Geh rein und sag ihm, ich hätte dich eiskalt abserviert und würde mit Melanie knutschen.“, sagte er. „Und das soll eine Lüge sein?“, fragte Melanie. „Nur zur Hälfte.“, sagte Tom und gab ihr einen leidenschaftlichen Kuss. Ich lächelte leicht und versuchte dann zu weinen, aber es funktionierte nicht ganz. „Tom, ich kann nicht weinen.“, sagte ich. „Nimm dir eine Zwiebel aus der Küche.“, sagte er und küsste wieder Melanie. Ich lief also in die Küche und suchte eine Zwiebel. Irgendwann gab ich dann auf und ließ mich auf einen Stuhl fallen. Ich wollte Bill gar nicht anlügen. Das war so hinterhältig. Auch wenn er in mich verliebt wäre, ich würde mir immer Vorwürfe machen. Jemand kam die Treppe runter und ich hörte Schluchzen. Ich sah zur Küchentür und in ihr stand Bill. Er weinte. „Wieso bist du noch hier?“, fragte er weinend. „Tom und Melanie sind alleine weg.“, sagte ich. „Hat er mit dir Schluss gemacht, damit er und Melanie zusammen sein können?“, fragte Bill und ließ sich auf einen der Stühle sinken. Ich schüttelte mit dem Kopf. „Ich war nie mit ihm richtig zusammen.“, sagte ich. Bill sah mich verwirrt an. „He?“, fragte er. „Ach, vergiss es…“, sagte ich und stand auf. „Warte! Sollen wir vielleicht in einen Club gehen?“, fragte Bill. „Ok.“, sagte ich und er lächelte. „Also los.“, sagte er und wir liefen zur Bushaltestelle. Wir fuhren mit dem Bus nach Magdeburg und gingen in den nächsten Club. Wir setzten uns auf eine Coach und Bill ging dann Getränke holen. Als er wiederkam, setzte er sich hin und stellte die Getränke auf den Tisch. „Die anderen sind auch hier und Melanie scheint schon jemand neues gefunden zu haben… Sie knutscht mit Tom rum.“, sagte Bill. Ich legte einen Arm um ihn. „Die hat dich gar nicht verdient.“, sagte ich. „Und du? Bist du verliebt?“, fragte Bill und nahm einen Schluck von seinem Getränk. Sah nach Cola aus, aber es roch schwer nach Wodka. Also Wodka- Cola. „Na ja, unglücklich.“, sagte ich. „Der Typ hat dich doch auch nicht verdient.“, sagte er und trank noch einen Schluck. Wenn er wüsste… Ich trank mein Getränk, anscheinend auch mit Alkohol, und nach 5 weiteren Getränken waren wir beide etwas aufgedreht. Plötzlich stand Tom vor uns. „Sagt mal, müsst ihr euch besaufen?! Wie sieht das denn aus? Außerdem solltet ihr jetzt nach Hause gehen! Ich ruf ein Taxi.“, sagte Tom und nahm sein Handy. „Warum muscht du unß allesch ka-utt machhen?“, lallte Bill. „Wihr wollllen dochh nuhr unschren Spaßß ham.“ „Mein Gott, bist du Hacke.“, meinte Tom und brachte uns zum Ausgang. Dort stand auch schon das Taxi. „Baba Tom.“, lallte Bill. „Tschüssichen.“, lachte ich und wollte zum Auto gehen, taumelte aber etwas und fiel auf Bill, der genauso wackelig lief und dadurch fielen wir beide hin. Wir lachten uns einen ab und Tom schlug sich mit der Hand vor die Stirn. „Mensch! Könnt ihr nicht mal aufpassen?! Das ist ja so was von peinlich mit euch.“, meinte er und half uns ins Taxi. Er nannte dem Taxifahrer Bills Adresse und verschwand sauer im Club. Der Taxifahrer fuhr los und nach ein paar Minuten waren wir da. „Wo wohn isch?“, fragte ich Bill, aber er zuckte mit den Schulter. „Kann ich beih dihr schlafn?“, fragte ich und er nickte. Wir liefen zum Haus und Bill versuchte 20 Minuten lang die Tür aufzuschließen. Wir schlichen die Treppe hoch und Bill lief gegen jemanden. Das Licht ging an und seine Mutter stand vor uns. „Aha. Also warst du saufen. Wo ist dein Bruder?! Guck doch mal auf die Uhr!“, schnauzte sie. „Tohm?“, fragte Bill. „Ja genau, du hast nur einen Bruder.“, sagte seine Mutter genervt. „Dehr ischt nochh iinh dehm Cl… Club.“, sagte ich und stützte mich auf Bills Schulter ab. „Ihr solltet schlafen gehen.“, sagte sie und schob Bill in sein Zimmer und mich ins Gästezimmer. „Gute Nacht Billylein. Lieb dich.“, lallte ich und schloss die Tür. „Gute Nacht Lililein!“, rief er und seine Tür schlug zu. Ich ließ mich auf das Bett fallen und es begann, sich alles zu drehen. „Wuah!“, lachte ich und stand wieder auf. Ich rannte zur Toilette, weil mir total übel war und übergab mich erstmal. Nachdem ich mir den Mund abgewaschen hatte, stürzte Bill ins Bad und hing kurz darauf auch über der Kloschüssel. Als er sich den Mund ausgespült hatte, drehte er sich zu mir um. Ich saß auf dem Badewannenrand. Er lächelte. „Weißt du eigentlich, wie süß du bist?“, fragte er leise und kam zu mir. Er strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Ne, aber ich weiß, dass du es bist.“, flüsterte ich zurück und er kniete sich vor mich hin. Er schwankte kurz leicht und als er das Gleichgewicht gefunden hatte, sah er mich wieder an. Er strich mit seiner Hand über meine Wange. „Du bist unglücklich verliebt? In wen?“, fragte er. „In dich…“, wisperte ich und er lächelte. „Ich in dich auch.“, sagte er und kam langsam näher. Als sich unsere Nasenspitzen berührten, kicherte ich kurz. Bill legte seine Hände auf meinen Hinterkopf und drückte ihn zu sich. Ganz sacht berührten sich unsere Lippen und Bills Hände begannen, durch meine Haare zu streichen.

 

Am nächsten Morgen wachte ich auf und hatte irre Kopfschmerzen. Ich lag auf etwas weichem, das sich bewegte. Ich drehte vorsichtig meinen Kopf zur Seite und sah Bill. Ich lag halb auf Bill in seinem Bett! Erst dann fiel mir auf, dass ich, nein wir, nackt waren. Scheiße! Was war gestern Abend passiert?! Ich konnte mich nur bis zu dem Tanz nach dem 3. Glas erinnern. Bill regte sich und schlug vorsichtig die Augen auf. Als er mich sah und die Situation zu checken schien, erschrak er sehr. „Scheiße!“, fluchte er. „Wie konnten wir nur?! Daran ist doch nur diese scheiß Tussi Melanie Schuld! Ich werde sie…“, fluchte er. „Das hätte niemals geschehen dürfen!“ Er stand auf und zog sich eine Boxershort über. Ich stand auf und nahm meine Sachen, die überall verteilt waren, und ging ins Bad. Ich stellte mich unter die Dusche und ließ das Wasser auf mich hinab prasseln. Es vermischte sich mit den Tränen, die ich nun vergoss. Ich ließ mich gegen die Wand fallen und rutschte Stückchen für Stückchen an ihr runter. Mein Gesicht vergrub ich in meinen Händen und weinte weiter. Ich merkte gar nicht, dass die Badtür geöffnet wurde. Plötzlich wurde ich in den Arm genommen. Ich sah auf und sah in Toms Augen. „Pscht, ist gut.“, versuchte er mich zu beruhigen. Ich schüttelte mit dem Kopf. „Nichts ist gut.“, schluchzte ich und Tom machte das Wasser aus. Er hob mich auf seine Arme und wickelte mich in ein Handtuch. Ich hatte meinen Kopf an seine Schulter gelegt und weinte diese nass. Er strich mir beruhigend über den Rücken, während er mich in sein Zimmer trug. „Oh mein Gott!“, rief Melanie aus, als wir das Zimmer betraten. „Was ist denn passiert?“ „Das weiß ich noch nicht.“, sagte Tom zu ihr und legte mich auf sein Bett. Ich schluchzte und krallte mich mit meinen Fingern in der Bettdecke fest. „Was ist passiert?“, fragte Melanie sanft. Ich schüttelte mit dem Kopf und schluchzte. Die Tür wurde aufgerissen und Bill stand darin. „Melanie! Ich muss mit dir reden!“, keifte er und sie lief mit ihm raus. Ein paar Minuten und sehr laute Schreie später kam Melanie wieder rein. Sie sah zu Tom und er lief zu ihr. Ich heulte immer noch. Sie redeten leise miteinander und dann kamen sie zu mir. Melanie strich mir über die Haare und Tom drückte meine Hand. „Alles wird wieder gut.“, sagten sie. Ich schüttelte mit dem Kopf. „Er… er hat gestern Abend noch gesagt, dass er mich liebt!“, weinte ich und drehte mich auf den Bauch. „Und du?“, fragte Tom. Ich nickte. Er strich mir über den Rücken. „Ist schon gut, ist schon gut.“ Ich weinte immer noch und es wurde immer heftiger. „Ich will nicht mehr leben… ohne ihn.“, schluchzte ich und sah zu Tom und Melanie. Sie schüttelten heftig mit dem Kopf. „Du wirst dich nicht umbringen!“, schrieen sie mich an. „Wir werden jetzt eine Radtour machen und du bleibst hier brav liegen.“, sagte Tom. „Wehe wir bekommen zu hören, dass du dich umbringen wolltest.“, drohte Melanie. „Du bist uns viel zu wichtig, als dass wir wollten, dass du stirbst.“, sagte Tom sanft und strich mir noch einmal über die Haare. Dann verließen sie den Raum. „Ich werde mich nicht umbringen, versprochen.“, sagte ich und strich mir mit den Händen über die nassen Wangen, um die Tränen weg zu wischen. Plötzlich ging die Tür auf und ich sah Bill. Über seine Wangen zeichneten sich Spuren von Tränen. Er stand nun vor dem Bett und sah zu mir runter. Ich hatte die Augen geschlossen und wieder liefen Tränen aus ihnen. Er hob mich sacht auf seine Arme und drückte mich an sich. „Es tut mir so Leid. Ich wollte dich nicht verletzen. Ich liebe dich doch.“, sagte er und schniefte. Er drückte mich fester an sich. „Und ich bereue es nicht… Ich weiß, dass das von uns beiden aus kam… wenn auch unter Alkohol Einfluss. Bitte, wein nicht mehr.“, sagte er. „Nein, du hörst ja auch nicht auf.“, sagte ich leise und sah zu ihm auf. Auf seinen Lippen bildete sich ein Lächeln und seine Tränen, sowie meine, versiegten. Er küsste mich sacht und ich legte meine Arme in seinen Nacken. „Lass mich nie wieder los.“, wisperte ich. „Nein, werde ich nicht.“, sagte er und küsste mich erneut. Er trug mich ins Bad und ich zog mich an und föhnte meine Haare trocken. Danach legte Bill seine Arme von hinten um meinen Bauch und küsste mich knapp unterm Ohr. Ich kicherte und drehte mich zu ihm um und küsste ihn. Danach sahen wir uns noch eine lange Zeit in die Augen. Ich stupste leicht seine Nase mit meiner an und er lächelte. Ich wollte den Raum verlassen, aber er hielt mich auf und hob mich hoch. „Du musst nie mehr laufen.“, sagte er. „Nein, Bill. Ich möchte selber laufen, lass mich also bitte runter.“, sagte ich und er tat es. Wir liefen nach unten in die Küche und fanden dort seine Mutter am Küchentisch sitzen und weinen. „Mama, was ist?“, fragte Bill und lief zu ihr hin. „Ach, mein Kleiner…“, schniefte sie und nahm ihn in den Arm. Sie flüsterte ihm etwas zu und er riss sich von ihr los. „Nein, du lügst!“, schrie er sie an und Tränen glänzten in seinen Augen. Doch sie schüttelte mit dem Kopf. „Ich sage die Wahrheit.“, sagte sie und Bill fiel mir in die Arme und weinte. Er krallte sich in meinem Rücken fest und schluchzte. „Was ist passiert?“, fragte ich leise. „Tom und Melanie hatten einen Unfall… Als sie mit den Fahrrädern über die Straße wollten, ist ein Lastwagen in die beiden rein gefahren, weil er sie nicht gesehen hat. Melanie geht es den Umständen entsprechend eigentlich sehr gut, aber Tom hat es schwer erwischt… Melanie wurde von der Straße geschleudert, aber Tom wurde von dem Lkw über die Straße geschoben. Die Bremsen haben nicht schnell genug reagiert.“, erklärte Bills Mum. Mir traten Tränen in die Augen. „Was ist mit Tom?“, fragte ich leise. „Er ist…“, wollte Bills Mum sagen, aber Bill schnitt ihr das Wort ab. „Nein! Er ist nicht tot!“, schrie er und krallte sie tiefer in meinen Rücken. Ich schob ihn leicht weg, weil es sehr wehtat. „Ich kann das nicht glauben.“, sagte ich schluchzend. Seine Mutter nickte. „Ich auch nicht.“, sagte sie. „Ich will ihn sehen! Ich glaube das nicht!“, sagte Bill und zog sich Jacke und Schuhe an. Seine Mutter stand auf und stieg schon einmal ins Auto. Ich stieg hinten ein und Bill setzte sich neben mich. Er griff nach meiner Hand und drückte sie.

 




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