Liebe mal anders

Autor: Pia 


Fatima schrie im Schlaf. Sie lag im Bett in ihrem kleinen Zimmer, das am oberen Ende des Hauses in einem kleinen Vorsprung lag. Fatima schlief und träumte ,unüberhörbar, wieder mal davon, wie sich ihre beste Freundin vor knapp einem Jahr , vor ihren Augen, vom Dach des ,noch nicht fertig gestellten, neuen Supermarktes in den Tod gestürzt hatte. Sie wand sich hin und her, schrie nach Lena, schwitze und weinte.
Plötzlich wurde die Tür von ihrem Zimmer aufgerissen und ihre Mutter stürzte zitternd herein! Sie rüttelte Fatima, bis sie die Augen aufschlug. „Lena?“, wimmerte sie. Ihre Mutter, Marlene, strich ihr beruhigend über den Rücken und fragte: „ Hast du wieder von dem Unfall geträumt??“ Fatima sah sie mit rot geweinten Augen an: „Mama! Das war kein Unfall und das weißt du ganz genau!! Sie wollte dieses verdammte Leben einfach nicht mehr weiter Leben und hat ihm deshalb ein klares Ende gesetzt!! Und du weißt auch ganz genau, dass sie das wegen ihrer Eltern gemacht hat, die sich nur noch gestritten haben!!“, sagte sie mit zittriger Stimme. Fatimas Mutter nahm sie nochmal in den Arm und sagte: „Ja Maus, das weiß ich! Versuch jetzt wieder zu schlafen!!“ Mit diesen Worten drückte sie Fatima sanft zurück in ihre Kissen, klappte die Decke bis zu den Knien hoch und öffnete dann noch das Fenster, durch das klare, leicht kühle Sommerluft in das Zimmer kam. Der Mond schien hell, sodass Marle
ne das Licht aus lies. Fatima war nun so wach, dass sie unmöglich wieder einschlafen konnte. Also stand sie auf, ging zu ihrem Schrank und drückte leicht gegen die Rückwand, die nachgab und ein kleines Versteck mit einem Schuhkarton freigab.
Diesen nahm Fatima heraus und setzte sich im Schneidersitz auf ihr Bett. Sie öffnete den Karton langsam und merkte wie ihre Augen sich wieder mit neuen Tränen füllten. Gleich als erstes lag ein Bild von Lena und ihr drin, das sie im gemeinsamen Urlaub in Italien zeigte. Es folgten noch viele weiter Fotos, auf denen Lena, oder Lena und Fatima zu sehen waren. Schließlich fielen Fatima dann doch noch die Augen zu und sie schlief wenigstens noch 5 Stunden, bis der Wecker klingelte.
Nach einer qualvollen Nacht schälte Fatima sich am nächsten Morgen gegen halb 7 wieder aus ihrem Bett, sammelte hastig die vielen Fotos ein, die verstreut auf dem Bett und auf dem Boden lagen. Dann streifte sie sich rasch ein gestreiftes Top und einen schwarzen Rock über, zog ihre knall orangenen Chucks an, schmiss noch schnell ein paar Hefte und Bücher, die sie wahllos von ihrem unaufgeräumten Fußboden aufgelesen hatte, in ihre Tasche und hastete dann die Treppe runter in die Küche. Dort saß schon Marlene, die Fatima ein Schulbrot gemacht hatte, denn zum frühstücken war an diesem Morgen wirklich keine Zeit mehr.
Fatima, total gestresst, rannte zum Bus, den sie grade eben noch so erwischte und lies sich dann neben ihre Freundin Ronja auf einen Sitz fallen. Total außer Atem stopfte sie nun erstmal ihr Brot in die Schultasche und schob die Eiskalte Thermoflasche mit kalter Zitronenlimonade hinterher. „Morgen!“, nuschelte Ronja. „Hey, was’n los??“, fragte Fatima nach, die ihren schrecklichen Traum der vorherigen Nacht schon fast wieder vergessen hatte. „Julius hat Schluss gemacht! Verdammt und ich hab ihn so abnormal geliebt!!“, stieß sie unter leisem Schluchzen hervor. Fatima ließ geräuschvoll die Luft entweichen und sagte: „ Oh Mann!! Das wurde aber auch Zeit, dass entweder Er Schluss macht, oder Du!! Ich hab ja nie verstanden, wie du mit diesem ekelhaften Schleimer je zusammen sein konntest!! Uäähh!!! Wie der sich bei allen einschleimt… EKELHAFT!!!“ Ronja sah Fatima mit großen Augen an, woraufhin Fatima nur beschwichtigend meinte: „Ja Sorry!!! Das ist halt meine Meinung…“ Ronja nickte
daraufhin nur und redete bis zur Ankunft in der Schule kein Wort mehr mit Fatima, was dieser aber in dem Moment ziemlich egal war, denn ihr fiel ein, dass sie die Hausaufgaben in Mathe und in Englisch noch nicht gemacht hatte. Mathe ließ sie dann aber Englisch machte sie noch im Bus, da sie keine Lust hatte, von ihrem Drachen von Lehrerin einen Saftigen Feuerball, eine Strafarbeit, ab zu bekommen. Verständlich!
Das was sie zusammen schrieb, hatte zwar Inhalt, doch als sie knappe 10 Minuten später im Unterricht vorlesen sollte, was sie produziert hatte, konnte sie ihre eigene Schrift nicht mehr lesen, weil es im Bus doch zu heftig gewackelt hatte. „Fatima. Du kommst nachher noch einmal zu mir und holst dir deine Strafarbeit wegen ungemachter Hausaufgaben ab!“, donnerte Frau Klein. „Aber Frau Klein! Ich habe doch Hausaufgaben gemacht. Ich kann sie leider nur nicht mehr entziffern…“, versuchte Fatima sich rauszureden, was ihr leider nicht ganz gelang! Also ging sie nach der Stunde zu Frau Klein.
Doch diese lächelte komischerweise und meinte: „ Ronja war vorhin bei mir. Sie sagte, du hättest gestern den ganzen Tag nur geweint, weil dein Freund mit dir die Beziehung beendet hat. Das kann ich natürlich verstehen, dass man dann keine Hausaufgaben mehr macht. Schön, dass du sie dir so zu Herzen genommen hast, dass du versucht hast, sie im Bus zu machen. Ich werde dir nichts zusätzlich aufgeben. Aber erzähl am Besten niemandem davon.“, lächelte sie und zwinkerte mir beim hinausgehen zu.
Fatima war total perplex doch musste sofort Ronja finden um sich bei ihr zu bedanken. Sie fand sie auf dem Schulhof vor den Mädchen Toiletten. „Boah! Danke Ronja! Du hast mir echt den Arsch gerettet! Die hat mir tatsächlich nix mehr aufgegeben…“, rief Fatima ihr entgegen.
„Naja, ich wusste ja, dass du wieder von Lena geträumt hattest. Deshalb wollte ich dir den ganzen Mist mit ihr ersparen.“, meinte Ronja nur gelassen. Fatima nickte. Doch dann hielt sie inne und sah Ronja mit ziemlich großen Augen an. „Sag mal, Ronja?? Woher weißt du von meinem Traum?? Ich hab ihn dir doch gar nicht erzählt.“, fragte Fatima, die ziemlich verdutzt dreinschaute. Ronja antwortete: „Ja ich weiß auch nicht. Mir war so, als hättest du mir davon erzählt. War mehr so eine Kurzschluss Reaktion…“
„Oh mann… Ronja! Ist dir eigentlich klar, was das bedeutet??? Du kannst meine Träume und Gedanken lesen!!! Wir machen nachher mal einen Test! Mal sehen, ob du meine Gedanken dann auch errätst!“, schlug Fatima voller Eifer vor.
Ronja nickte nur und biss ein großes Stück von ihrem Apfel ab.
In der zweiten Stunde dann bestätigte sich, dass es nur Zufall gewesen war und Fatima war ziemlich enttäuscht.
Auf dem Weg nach Hause begann Ronja wieder mit ihrem Lieblingsthema: Jungs!
Wie Fatima dieses Thema doch hasste. Immer das Selbe. Kaum war Schluss mit einem, hielt sie schon wieder Ausschau nach den Nächsten. Richtig nervig konnte das sein.
„Mann Fatima! Immer wenns um Jungs geht, bist du so extrem zurückhaltend und zeigst überhaupt kein Interesse… Du bist nicht normal!!“, meinte sie und musterte Fatima, als ob diese irgendeine seltsame Krankheit habe. Doch Fatima zuckte nur mit den Schultern und lies sich dann auf einen freien Sitz im Bus fallen. Es war unerträglich heiß und Ronja laberte in einem Fort, sodass Fatima nicht die Chance hatte, ihre Gedanken zu ordnen.
Warum war sie nur so desinteressiert, wenn es um Jungs ging?? War sie einfach noch nicht so weit?? Doch sie kam zu keinem Ergebnis. Schließlich stieg sie aus, winkte Ronja noch einmal kurz zu und lief dann die paar Meter bis zu ihrem Haus, wo ihre Mutter schon mit einem schön kalten Mittagessen wartete. Und wieder schossen ihr Gedanken durch den Kopf die sich einfach nicht lösen ließen.
Nach dem Essen ließ Fatima sich auf ihr Bett fallen und dachte angestrengt nach. Wie wäre es, wenn sie es einfach mal mit einem Jungen probieren würde?? Wie wärs mit Julius? Ach neee, der wollte ja eh mit Jeder was... Und Jan?? zu groß^^ Kevin? Ja, was war eigentlich mit Kevin? Der sah doch ganz passabel aus und war zudem auch noch freundlich. Ja, was spräche dagegen, sich Kevin ein wenig zu nähern. Nichts... Also! Zeit für einen Angriff. Kevin wird unser Opfer!
In den nächsten Tagen steigerte sich Fatima so in ihre Gedanken an Kevin rein, dass sie nach einer Woche echt der Meinung war, sie würde was von Kevin wollen. Dementsprechend hatte sie dann auch eine schöne Antwort parat, als Ronja sie wieder einmal fragte, was mit den Jungs sei. Ronja, die offenbar nicht mit einer solchen Antwort gerechnet hatte, starrte sie total perplex an und schmiedete dann gleich wieder Verkupplungspläne!
Fatima weigerte sich allerdings dagegen und beobachtete Kevin viel aus der Ferne und aus der Nähe.
Als dann, an einem Tag in dieser Woche, Kevins Stuhl im Unterricht leer blieb, war Fatima natürlich total geschockt und beobachtete jede Stunde erst den Stuhl und dann wieder die Tür.
Nach der großen Pause hatten sie Deutsch, bei einer kleinen, buckligen Dame, mit eigenwilligem Temperament.
Auch in dieser Stunde starrte Fatima auf Kevins leeren Platz. Was wohl mit ihm war? War er einfach nur krank, oder war ihm was passiert? Doch schon am Tag darauf war sein Platz wieder besetzt. Er habe einfach nur wahnsinnige Kopfschmerzen gehabt, erklärte er der Klasse, die sich dann auch nicht weiter interessierte.
Und immer noch sah Fatima die ganze Stunde auf seinen Platz, auf dem er ja nun saß.
„Oh mann! Der sieht vielleicht gut aus...“, flüsterte sie Ronja zu. „Soll ich ihn ma fragen, ob er mit mir gehen will?“, witzelte sie rum, doch Ronja sah es nicht als witz.
„Ja mach doch! Warum eigentlich nicht??“, versuchte Ronja ihr einzureden. Doch Fatima weigerte sich: „ Ja bestimmt geh ich jetzt zu ihm hin und frag ihn, ob er mit mir gehen will! Ronja, ich glaube, du tickst nicht ganz korekkt!!“ Fatima sah Ronja böse an und schlug demonstrativ den Weg ein, der NICHT zu Kevin führte.

Der Tag verlief recht langweilig. Sie schrieben eine Hausaufgabenkontrolle, die Fatima einige Pluspunkte und Ronja einige Minuspunkte einhandelte. Nach der 6. Stunde trennten sich ihre Wege und Fatima schlenderte langsam nach Hause. Plötzlich wurde sie von hinten angetippt. Erschrocken drehte sie sich um. Kevin! „Na du? Was machst du?“, fragte er sie. „Ööhm.. Ich bin auf dem Weg nach Hause. Und du?“, antwortete sie leicht verlegen und merkte, wie ihr ein leichtes Rot ins Gesicht stieg. „Joah... Also ich wollte fragen, ob du nicht Lust hast, mit uns ins Schwimmbad zu kommen.“, meinte Kevin gelassen und schlackerte merkwürdig mit seinem linken Bein. Fatima überlegte kurz und fragte dann: „Wer ist denn ‚Wir’??“ „Na Ronja, Malte, Julius, Clara, Helen Jan und ich!“, grinste Kevin und Fatima willigte ein.
Gegen 3 Uhr trafen sie sich vor dem Eingang des Schwimmbades und brieten erst mal in der Sonne, bevor sich alle in das kühle Nass stürzten. Sie rangelten und tunkten sich und hatten irre viel Spaß! Am Abend, es waren ja schließlich nur noch 2 Wochen bis zu den Sommerferien, beschloss Ronja, bei Fatima zu übernachten. Es wurde ziemlich spät an diesem Abend und Ronja hatte es endlich geschafft, Fatima zu ermuntern, dass diese einen Schritt auf Kevin zu machen sollte. Gleich am nächsten Morgen, noch bevor der Unterricht begonnen hatte, fischte Fatima sich Kevin aus der Menge. Sie wusste erst nicht so recht, wo sie anfangen sollte, doch als Kevin sie dann erwartungsvoll ansah, nahm sie all ihren Mut zusammen.
„Kevin, äähhhmmm..., ich hab da mal so ne Frage...“, begann Fatima zu stottern. Kevin sah sie leicht belustigt an. „ Äahhmm... Kevin, ich glaub, ich hab mich in dich verliebt. Willst du mit mir gehen?“ ,beendete Fatima ihren Satz. Kevin grinste, sah sie an und meinte: „ Joah! Warum eigentlich nicht?“ Gleich am nächsten Nachmittag trafen Kevin und Fatima sich. Ronja war total glücklich, dass Fatima nun endlich Interesse für Jungs zeigte. „Na Du?“, begrüßte Kevin Fatima und küsste sie kürz, aber sanft auf den Mund, was Fatima, die ja noch so garkeine Erfahrung in Sachen küssen, und vor allem Jungs hatte, ziemlich schockte. Kevin schien ihre Unsicherheit zu spüren, nahm ihre Hand und zog sie mit sich. Sie machten einen schönen Stadtbummel, der letztendlich in der Eisdiele endete, wo sich Fatima und Kevin einen großen Eisbecher teilten. Sie erzählten einander viel, lachten viel und gingen gegen 8 Uhr abends wieder nach Hause. Fatima war glücklich. Allerdings nicht so glücklich, w
ie sie hätte sein müssen, denn sie hatte soeben den hübschesten Jungen der ganzen Klasse abgegriffen, um den die Mädchen sich nur so scharten.
Kaum zu Hause angekommen rief sie sofort Ronja an, um ihr alles zu erzählen. „Und??? Wie wars? Habt ihr euch geküsst? Jetzt erzähl doch mal!! Hattest du Bauchkribbeln??“, fragte Ronja sofort total begeistert. „Najaaa... Also so richtig Bauchkribbeln hatte ich nicht, aber ich denke, das kommt schon noch! Schließlich war ich noch nie in einen Jungen verliebt. Und.. ja, wir haben uns geküsst...“, gab Fatima leicht kleinlaut zurück. „ Was?? Du hattest nicht so richtig richtig Bauchkribbeln?? Fatima, ich glaube, du bist gar nicht richtig verliebt!!“, schloss Ronja aus Fatimas Erklärungen. „Doch doch!! Hundert Prozentig !“, versicherte Fatima ihr. Doch nach einer Woche war bei Kevin und Fatima schon die Luft raus. Wenn man denn der Meinung ist, dass je Luft drin war..(^^) Ronja war fest der Meinung, dass Fatima einfach kein Gespür für Jungs hatte und verbot ihr deshalb regelrecht, sich noch in die Nähe von Jungs zu begeben! „Mann Fatima! Du hast einfach kein Gefühl für Jungs. Weißt
e... Dann lass es doch lieber gleich!!“, hielt Ronja ihr vor, woraufhin Fatima nur leicht nicken konnte. So schlimm war das jetzt für sie auch nicht. Allerdings hörte Ronja einfach nicht auf, sie mit Jungs voll zu labern. Denn nach knapp zwei Wochen, es war der letzte Schultag vor den Ferien, fasste sie das Thema wieder auf. „Sag mal, Fatima, was ist jetzt eigentlich mit den Typen?? Mit Kevin hast du ja ziemlich schnell wieder Schluss gemacht...“, fragte Ronja und traf bei Fatima nicht auf große Freude.
Doch dieses Mal konnte Fatima sich nicht beherrschen. Sie rastete total aus, rannte an Ronja vorbei, drehte auf halber Strecke und rannte wieder zurück. Ihre braunen Augen funkelten gefährlich.
„Ronja! Diese Frage kotzt mich an!! Wann verstehst du das eigentlich mal??? Was muss ich tun, damit du es endlich checkst?“, schrie Fatima Ronja an, die nur verblüfft die Augenbrauen hochzog. „Sachte sachte… Was hab ich dir denn jetzt getan?“, fragte sie und ging dann, ohne auf eine Antwort von Fatima zu warten.
Fatima brüllte noch einige Sachen hinter ihr her, stampfte dann aber zurück in ihren Klassenraum und setzte sich demonstrativ weit weg von Ronja. Ronja schien das nicht weiter zu stören, dann als sie nach der fünf Minuten Pause wieder in den Raum kam, lief sie mit hoch erhobenem Kinn an Fatima vorbei. Was für ein Horror dieser Schultag doch war. Endlich, als es klingelte, raffte Fatima ihre Sachen zusammen und ging zügig nach draußen. Endlich waren Sommerferien!! Wie lange hatten sie doch darauf gewartet. Ronja und Fatima. Doch die Vorstellung in den Ferien noch was gemeinsam zu machen, war an diesem Tag nun völlig dahin. Fatima hatte so eine Wut auf Ronja, dass sie der Gedanke an sechs Wochen Ferien ohne Ronja gar nicht weiter schockte, sondern sogar ein entspanntes Gefühl in ihr ausbreitete. Nur noch ein einziges Mal in den stickigen Bus und dann endlich sechs Wochen grenzenlose Freiheit. Diese Vorstellung bestärkte Fatima darin, nicht den ersten Schritt zu machen, um die F
reundschaft mit Ronja zu erhalten oder eben wieder herzustellen. Die erste Woche ging viel zu schnell vorbei und Fatima hatte überhaupt keine Zeit gehabt, um an Ronja zu denken. Und auch bei Ronja war es nicht anders. Auch sie war viel unterwegs und dachte nicht im geringsten daran, als erste einen Fehler zu zugeben und sich zu entschuldigen. Beide verbrachten also die ersten zwei Wochen, ohne aneinander zu denken geschweige denn, miteinander zu reden. In der dritten und vierten Woche fuhr Fatima nach Italien und Ronja nach Andalusien. Weit von einander weg. Ronja lernte viele neue Leute kennen und hatte schon nach wenigen Tagen einen neuen Typen an der Backe, einen braun gebrannten Einheimischen, der nur Spanisch sprach. Kein Problem für Ronja, da ihr Vater Spanier war und sie zweisprachig erzogen wurde. An einem Morgen saß sie schon recht früh mit ihrer Truppe am Strand und redete über dies und das. Irgentwann kamen sie auf die Freunde in der Heimat aller zu sprechen. In d
iesem Moment schoss es wie ein Blitz durch Ronja. Jetzt, das die Freunde von daheim erwähnt wurden, merkte sie, was ihr schon die ganzen Ferien fehlte. Fatima!
Keine SMS war gekommen, kein Anruf. Doch Ronja wusste tief in ihrem Inneren auch, dass sie selbst einen Teil der Schuld trug, doch sie wollte es sich nicht eingestehen! Also redete sie einfach so über Fatima, als sei der Streit zwischen ihnen nicht gewesen und sie beschloss, am selben Tag noch eine Postkarte zu schicken.

Zur selben Zeit bei Fatima in Italien:
„Sag mal Fatima, wie stehts bei dir? Hast du in Deutschland einen Freund?“, fragte Caro sie, als alle gemeinsam am Stand lagen und in der Sonne dahin brutzelten. Fatima gab nur ein leichtes grunzen von sich und schüttelte dann den Kopf. „Und bei dir?“, fragte sie, um möglichst schnell von ihr abzulenken. „Mhhh... ich hatte bis kurz vor den Ferien einen, aber der ist mir abhanden gekommen!“, lachte Caro. Als Fatima sie daraufhin seltsam ansah, fuhr sie fort: „Also pass auf. Marc und ich waren vier Wochen lang zusammen. Also.. ähhmm.. halt nicht so besonders lang. Es war mehr eine verlorene Wette, die uns beiden das eingebracht hatte. Naja! Jedenfalls hatte er dann am letzten Tag vor den Ferien, als er mir einen schönen Urlaub wünschte eine Neune an der Hand. Ich sag dir, ich war vielleicht froh...“
Fatima grinste und drehte sich auf den Rücken um ihren Bauch zu bräunen. „Tjaja! Ihr immer mit euren Jungs! Meine Freundin Ronja ist da auch nicht besser!“, meinte Fatima und stockte leicht bei dem Namen –Ronja-. Wie lange war es jetzt her, dass sie das letzte Mal miteinander geredet hatten?? Waren es 4 Wochen, oder doch 3?? Fatima hatte keine Ahnung. Doch in diesem Moment wusste sie, dass ihr Ronja wahnsinnig fehlte. Sie holte einen College Block aus ihrer Tasche und begann einen Brief zu schreiben. Sie schreib bestimmt vier oder fünf Seiten lang. Dann bastelte sie noch einen Umschlag, steckte den Brief hinein und schrieb Ronjas Adresse vorne drauf. Doch sie hatte die ganze weitere Woche nicht den Mut, den Brief abzuschicken.
Knapp zwei Wochen später, sie hatten noch zwei Tage Ferien, fasste Fatima einen Entschluss. Sie schrieb einen neuen Brief an Ronja in dem sie einiges erklärte und den sie von da an immer bei sich trug. Vorne auf den Umschlag hatte sie in geschwungenen Buchstaben „RONJA“ geschrieben.
Der erste Tag im neuen Schuljahr brach an und damit auch der übliche Stress.
„Mama?? Wo hast du meine Chucks hingestellt? Ich brauch die! Mein Bus fährt gleich!!“, rief Fatima aufgebracht. Doch ihre Mutter, die noch sehr müde, war zuckte mit den Schulter und deutete auf die Tür zur Speisekammer. „Guck mal da rein!!“, brummte sie. Fatima hatte keine Zeit um noch lange zu überlegen, was ihre Schuhe in der Speisekammer machten, also guckte sie einfach schnell rein und fand die Schuhe tatsächlich dort. Schnell schlüpfte sie hinein, stopfte die Schnürsenkel in die Schuhe (Zum schnüren war keine Zeit mehr...) und rannte dann aus dem Haus. Sie fuhr wie an jedem Arbeitstag mit einem rappelvollen Bus, der ihr heute noch gleich ein bisschen voller vorkam. Gequetscht stand sie bis um zehn Minuten vor acht, als der Bus endlich vor ihrer Schule hielt und sie ihn verlassen konnte. Es war immernoch tierisch warm draußen und Fatima holte sich noch schnell vor Schulbeginn eine Flasche Wasser am Kiosk. Dann ging sie ohne Eile in ihren Klassenraum, wo Ronja schon wartet
e. Zur großen Freude Aller fiel gleich die erste Stunde aus und sie konnte wieder rausgehen. Ronja begann von den Ferien zu erzählen, als sei nicht s gewesen und Fatima begriff recht schnell, dass Ronja den Streit einfach nur schnell vergessen wollte. Also erzählte auch Fatima ausgelassen von ihren Erlebnissen in den Ferien. Sie redeten die ganze Zeit über, wie in alten Zeiten. Der erste Schultag verging recht schnell, da auf die eine Freistunde noch zwei Klassenlehrer Stunden folgten, in denen der Stundenplan ausgeteilt wurde und all so ein Zeug, bei dem man seine Intelligenz nicht besonders braucht.
Nach noch zwei Stunden in denen der ganze Stoff von der alten Klasse wiederholt wurde, durften sie dann endlich gehen. Fatima hatte sich noch bereit erklärt, den Klassenraum zu fegen und die Tafel zu wischen. Als Ronja und Fatima dann alleine im Raum waren fragte Ronja:“ Und?? Haste denn wenigstens nen tollen Typen im Urlaub kennen gelernt??“ Darauf hin ließ Fatima den Schwamm fallen, mit dem sie gerade die Tafel gewischt hatte und rannte raus und knallte die Tür hinter sich zu. Ronja rannte ihr hinterher und fand dann, nicht weit von der Tür des Klassenzimmers entfernt den Brief, den Fatima kurz vor Ferien ende geschrieben hatte und hob ihn auf. Er musste Fatima im laufen aus der Tasche gefallen sein. Ronja hob ihn auf, betrachtete ihn eine weile und öffnete ihn dann und faltete den Zettel auseinander...

 

Liebe Ronja,
Nun ist es so weit. Ich werde endlich diese Welt verlassen. Zwar auf nicht allzu schöne Art und Weise, aber ich werde gehen.
Du, Ronja, fragtest mich immer, warum ich keinen Freund habe. Weißt du noch, was ich dann immer darauf geantwortet habe?
Ich sagte jede Mal:“ Ich bin einfach an keinem Jungen interessiert.“ Daraufhin hast du mich immer skeptisch angesehen und gemeint:“ Mensch Fatima! Das kann doch nicht sein, dass du nie Interesse an Jemandem hast. Irgendwann musst du doch mal verliebt sein.“
Ich antwortete dann immer mit einem ‚Mal sehen’. Und nun, bevor ich dich hiermit verlassen werden, möchte ich dir noch etwas erklären. Es wird nicht lange dauern und du musst dir auch keine weiteren Gedanken über mich machen, weil ich eh nicht mehr am Leben sein werde, wenn du dies hier liest, aber tu mir einen Gefallen und komm zu meiner Beerdigung. Nun Ronja, möchte ich dir endlich sagen, was ich dir schon verschweige, seit wir uns zum ersten Mal begegnet sind.
Ronja, ich liebe dich!!
Deshalb hatte ich nie Interesse an Jungs! Hoffentlich bist du jetzt nicht allzu geschockt. Aber um dir keine Schwierigkeiten zu bereiten, werde ich jetzt gehen.
Machs gut meine Maus und vergiss mich niemals.
In Love
Fatima


Ronja sackte zusammen und begann hemmungslos zu weinen. Sie hielt Fatimas Brief fest umklammert. Als eine Lehrerin sie fragte, ob alles okay sei, stand sie auf und schrie diese an: „ Natürlich nicht! Oder würde ich sonst hier auf dem Gang sitzen und heulen??“ Mit diesen Worten rannte sie aus der Schule und überlegte fieberhaft, mit immer neuen Heul-Attacken, von wo man am Besten sein Leben beenden konnte. Sie erinnerte sich daran, dass Fatimas Freundin Lena, sich vom Dach des neuen Edekas in der Hofmann Straße gestürzt hatte. Plötzlich war sich Ronja total sicher, dass Fatima nur diesen Ort gewählt haben konnte. Also begann sie zur nächsten Bushaltestelle zu rennen, denn zu Fuß wäre der Weg zu lang gewesen.
Der Bus stand schon an der Haltestelle, als Ronja keuchend dort ankam. Er hatte gerade die Türen geschlossen und war knapp 3 Meter gefahren, als Ronja sich ihm so plötzlich in den Weg stellte, dass der Bus abrupt zum Stehen kam.
Der Busfahrer öffnete die Tür noch einmal, ließ Ronja rein und begann dann, ihr einen Vortrag zu halten: „ Was’n los, junges Fräulein, das es so wichtig ist, dass ich sie fast überfahren hätte??“
Ronja antwortete schnippisch: „ Wissen Sie, ich glaube, dass sie das nichts angeht. Außerdem sind sie Busfahrer und nicht Psychologe. Warum also, sollte ich Ihnen meine Sorgen erzählen??
Der Busfahrer verstummte und fuhr nun endlich an. An der nächsten Haltestelle stiegen viele Leute aus, sodass Ronja sogar einen Sitzplatz ergattern konnte. Sie holte ihr Handy aus der Tasche und rief Fatima an, doch sie wurde weggedrückt. Ein leichter Hoffnungs Schimmer durchquerte Ronjas Körper. Fatima war also noch am Leben.
Immer wieder rief Ronja Fatima an, um ihr gar nicht die Chance zu lassen, vom Dach zu springen. Jedes Mal wurde Ronja weggedrückt.
Endlich, nach knapp 20 Minuten Busfahrt, sprang Ronja aus dem Bus und rannte noch die kurze Strecke bis zur Leiter, die an der Außenwand des Gebäudes befestigt war und eigentlich nur als Notausgang diente. Hastig eilte Ronja hinauf und sah, am Rande des Daches, Fatima stehen und weinen.
„Fatima, du lebst!“, flüsterte Ronja mit Tränen erstickter Stimme. Doch Fatima schluchzte nur: „ Geh weg! Du willst dir das sicher nicht mit ansehen, wenn ich springe!“
„Fatima, warum willst du überhaupt springen?? Was ist passiert, dass du nicht mehr leben willst??“, rief Ronja nun etwas lauter.
„Du willst wissen, was passiert ist?? Hast du meinen Brief etwa nicht gefunden?? Ronja, ich liebe dich!! Das ist passiert!“, rief Fatima mit zittriger Stimme.
„Na und? Was ist daran so schlimm, wenn du mich liebst? Ich bin doch auch nur ein Mensch und gegen deine Gefühle kann man nichts machen!“, rief Ronja
„Doch, man kann sie einfach aus der Welt schaffen, indem ich jetzt gehe! Du würdest meine Liebe nie erwidern!“, schrie Fatima und begann beächtlich zu schwanken! Mit einem Satz war Ronja bei ihr, zog sie zurück und drückte sie auf den Boden! Verdutzt sah Fatima sie an!
„Fatima, ich glaube, ich hab dir auch was zu sagen“, begann Ronja, die Fatima immernoch fest umklammert hielt, „ Du erinnerst dich doch sicherlich noch daran, als Julius mit mir Schluss gemacht hat. Ich hab damals gesagt, ich hätte ihn abnormal geliebt. Doch das ist nicht wahr. Ich habe ziemlich schnell gemerkt, dass es in mir noch eine weitere Liebe gibt, die viel stärker ist als die, die zu Julius bestand. Und weißt du, wem diese Liebe gehört? „ Fatima schüttelte den Kopf. „Sie gehört dir! Ich habe mich nie getraut, dir das zu sagen, weil ich dachte, du würdest mich für abnormal oder gar ekelig halten. Aber als ich vorhin deinen Brief gefunden habe, da wusste ich, dass ich es dir endlich nicht mehr verschweigen muss. Fatima, ich liebe dich!“, beendete Ronja ihre Erklärung. Fatima sah sie an, zog sie zu sich heran und sie küssten sich so hingebungsvoll, als haben sie nur auf diesen Zeitpunkt gewartet und gewusst, dass er irgendwann kommen würde.
Sie saßen auf dem Dach und beobachteten gemeinsam den Sonnenuntergang. So schön hatte niemand sich ihr Glück vorgestellt. Eben eine Liebe mal anders.

 


Danke an: Alle meine lieben Freunde, und noch ma extra Danke an die leo^^ und an die Ronja, die mir ihren Namen hier unfreiwillig zu Verfügung gestellt hat^^




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