Geli und Anja

Und ich fühle wie ich lebe

"… 5:00 Uhr. Nachrichten aus Deutschland und der Welt…!” Nein! Kraftlos, aber mit dennoch einem lauten Knall fällt meine Hand schon fast selbstständig auf den Radiowecker meines Handys, nur damit endlich wieder Stille herrscht. Von Georgs Seite ist auch nur ein leises grummeln zu hören, bevor ich wieder ruhig weiter atmen kann. Fünf Uhr, und ich muss aufstehen. Ein unwohles Gefühl überkommt mich, und mürrisch ziehe ich die wärmende Decke noch etwas mehr über meinen Körper, um sie nur wenige Augenblicke ganz von diesem zu streifen und mich an die Bettkante zu setzten. Trotz der Dunkelheit im Raum, kann ich meine Augen kaum öffnen. Schon alleine das matte Licht des Mondes, welcher noch am morgendlichen Himmel über der Stadt liegt, lässt meine Stimmung noch mehr in den Keller sinken. Immer wieder muss ich blinzeln, damit sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnen können. Überall im Zimmer liegen Georgs Klamotten verteilt, was mir den Weg zum Balkonfenster nicht gerade erleichtert. Die Übelkeit, die in meinem Magen liegt, verdränge ich. Wie jeden anderen Tag auch. Statt mich weiter darauf zu konzentrieren, weshalb mir jeden Morgen schlecht ist, und ich keine Lust habe aufzustehen, öffne ich leise die geschlossene Balkontüre und schreite mit nackten Füßen auf den kleinen Balkon, um frische Luft in meine Luftflügel strömen zu lassen. Die Nacht hat über Bonn noch nicht kehrt gemacht, und nur selten fahren selbst an der Hauptstraße Autos vorbei, welche mich ablenken können, von den Gedanken, welche mich schon die letzten Tage zu verfolgen scheinen. Ich schüttle mit dem Kopf, hat ja doch kein Sinn. Ein neuer Wind durchwuschelt meine Haare und eine Gänsehaut breitet sich auf mir aus, sodass ich stumm wieder ins Zimmer gehe. Nur das Fenster lasse ich offen. Die frische Luft tut gut. Man hat das Gefühl, doch noch irgendwie frei sein zu können. Das Hotelzimmer ist geräumig. Ich greife nach der Fernbedienung und schalte den Fernseher leise an, nur um irgendeine Stimme zu hören. Georg lässt sich nicht davon stören, er dreht sich nur auf die andere Seite, zieht das Kissen über sein noch freies Ohr und schlummert weiter. Wie jeden Tag.

Während der Nachrichtensprecher freundlich verkündet, dass heute in Bonn ein wunderschöner Tag werden soll, mit Sonnenschein und blauem Himmel, krame ich in meiner Tasche um die noch fehlenden Socken heraus zukramen. Eigentlich hatte ich mir gestern extra schon die Sachen zusammen gesucht, aber die Socken wohl einfach vergessen. War ja auch schon ziemlich spät, und die Fahrt von Hamburg nach Bonn war auch anstrengend. Auf Zehenspitzen verschwinde ich für kurze Zeit im Bad, um dann von Georg aus meinen Gedanken gerissen zu werden, da dieser aufgewacht ist, und wie ein verrückter gegen die Türe schlägt. “Gustav, jetzt mach endlich. Ich will ins Bad!”, klingt seine Stimme durch das Holz und ich erwidere nichts, öffne nur stillschweigend die Türe und gehe an ihm vorbei. Ich spüre noch kurz seine Blicke fragend an mir heften, doch dann lässt er die Türe hinter sich zufallen, um sich auch für den Tag fertig zumachen. Unterdessen lasse ich mich wieder auf das Bett fallen. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es schon halb sieben ist. Ich hab glatt geschafft, ein Stunde im Bad zu verbringen. Sonst bin ich doch auch schneller. Ich schüttle über mich selber den Kopf. Was ich mich so anstelle. Und schon wieder sind meine Gedanken, nicht da, wo sie eigentlich sein müssen. “Gustav? Man, geh doch an dein Handy, wenn es klingelt. Was denkst du wofür dieses Mobilgerät den dient?” Bevor das Metallstück mir mit voller Kraft gegen den Kopf knallen kann, greife ich in der Luft danach und blicke auf den Display. Lydija. Meine Zeigefinger bohrt sich auf den roten Höher und das Handy gleitet wieder aus meinen Händen aufs Bett. Unwillkürlich ist die erst vor wenigen Minuten entwichene Übelkeit wieder zurück in meine Magengegend gekrochen, und frisst sich dort unaufhaltsam in meine Magenhöhle. “War sie es?” Das Bett sinkt etwas, und ich blicke auf um Georgs fragenden Blick zu beantworten. Stumm nicke ich, und stehe dann wieder auf. Die letzten Klamotten werden noch in die Koffer gestopft, und langsam aber sicher lässt die Sonne das Zimmer erleuchten und Leben in den eigentlich so liebevoll eingerichteten Raum kehren. Doch ich kann es nicht genießen. Immer wieder blicke ich versohlen auf das Handy, überlege hin und her, und lenke mich dann doch damit ab, mich mit dem I-Pod abzulenken. “Komm schon, die Jungs warten doch nicht ewig auf uns Gustav!” Georgs Hand zieht mich unsanft vom Bett und lässt mich schreckhaft zusammen zucken. Die gerade gewonnene Ruhe ist dank ihm wieder verschwunden, und das dröhnen in meinem Kopf ist nun noch stärker, wie noch vor dem Einspann der Acht Uhr Nachrichten. “Verdammt erschreck mich doch nicht so!”, gifte ich ihm entgegen, und schlüpfe immer noch mit leichtem Herzrasen in meine Schuhe. Cape auf, und noch schnell die Sonnenbrille. Fertig für einen neuen Tag. Ein neuen Tag um sich zu verstecken, nicht aufzufallen, und dennoch erkannt zu werden.

Kaum habe ich die Türe hinter mir geschlossen, reißt erneut jemand an meiner Schulter, und mit einem Satz habe ich mich zu der Person umgedreht, welche sich schnell als Tom entlarvt. “Guten Morgen Juschtel. Neuer Tag, neue Stadt, neue Mädels…!” Ich funkle ihm nur böse entgegen, und gehe dann ein paar Schritte vor den anderen in Richtung Speisesaal, wo ich schon von einem glücklich strahlenden David mit Freundin erwartet werde. “Was ist ihm den über die Leber gelaufen?”, kann ich Tom noch Georg zu nuscheln hören, doch ich sage nichts mehr darauf. Lasse unterdessen lieber meine Wut und all meinen Frust an dem wehrlosen Brötchen vor mir aus. Massakriere es schon fast, nur um irgendwie ein Ventil zu finden. Ein Ventil für all die Wut, und den Hass. Die Trauer und die Angst, vollkommen alleine zu sein. “Man Gustav, kann man heute noch einmal mit deiner geistigen Anwesenheit rechnen, oder bleibt es dabei, dass du zum Brötchenmörder gewechselt bist!” Der witzelnde Ton in Georgs Stimme prallt an mir ab, wie ein Ball der gegen die backsteinrote Wand prallt. Ich nicke nur geistesabwesend und lasse mein Messer letztlich resignierend auf dem Teller sinken. Bill´s besorgte Blicke sind mir nicht entgangen Warum?, wirft er mir in Gedanken zu, doch was soll ich sagen. “Na dann lasst uns los. Sonst schaffen wir es doch wieder nicht mehr mit euch Langschläfern…!” David klopft Tom noch auf die Schulter, welcher gespielt scheinheilig in den Saal blickt, nur um Davids Tadel zu entkommen. Wortlos rücke ich den Stuhl unter mir etwas vom Tisch, um Beinfreiheit zuschaffen. Das angeschnittene Brötchen lasse ich schwer verletzt, aber dennoch unberührt liegen. Ich hab keinen Hunger, soll ja auch mal vorkommen. O.K. in letzter Zeit kommt es öfter vor, aber was solls. Schaden tut es dem Pummel Gustav sicher nicht. Ich schultere meinen Rucksack und folge Tom und Bill gedankenverloren in ihrer Diskussion über die Empfangsdame des Hotels, welche freundlich winkend hinter ihrem Tresen steht, und den beiden zu winkt. Die beiden gehen mir auf die Nerven. Ständig diese dummen Sprüche, manchmal komm ich mir eher vor, als wäre ich mit pubertierenden zwölfjährigen 24 Stunden am Tag zusammen, als wie mit zwei fast Erwachsenen. Als die Worte der beiden ausklingen, atme ich erleichtert auf. Eine halbe Stunde haben sie es diesmal geschafft, alle im Van zu unterhalten. Alle, bis auf Georg. Der döst schon wieder vor sich hin. Was er träumt möchte ich erst gar nicht wissen. Auch ich bin gerade am einnicken, als das vibrieren in meiner Jackentasche mich aufschrecken lässt. Lydija, schnellt es mir in den Kopf, und augenblicklich sind meine Augen wieder weit aufgerissen und der so gut verdrängte Hass wieder aufgekocht. Zögerlich überlege ich hin und her. Doch letztlich übernimmt Bill für mich die Entscheidung, abzunehmen, in dem er mir das Handy aus der Hand reißt, und auf den roten Hörer drückt. Stillschweigend, aber erneut mit fragenden Blicken reicht er es mir wieder, und ich schalte es aus. Ich will endlich meine Ruhe haben. Vor ihr, vor dem Leben, vor meiner Außenwelt. Einfach nur hier sitzen, an nichts denken müssen außer an die vielen Pressetermine die noch vor dem Konzert zu bewältigen sind.

Ich schlucke hart. Augenblicklich wird mir klar, dass wir heute in Magdeburg spielen werden. Mein Magen dreht sich in mir und meine Hände werden schweißig. Ich versuche die Angst zu überwinden, sie wieder sehen zu müssen. Will sie nicht wieder sehen, kann es nicht ertragen. ihr in die Augen sehen zu müssen. Auch drei Wochen nach der Trennung brennt es in meinem Herzen noch wie am ersten. Ich kann nicht einmal entscheiden, ob ich froh über ihre Ehrlichkeit seien kann. Froh darüber, dass sie mir offen gestanden hat, dass sie mich betrogen hat. Froh darüber, dass sie mit offenen Karten gespielt hat. Ich kann es nicht für mich entscheiden. Denn mit dieser Trennung ist auch die Trennung zum letzten Stücken Normalität in meinem Leben gekommen. Seit über einem Jahr touren wir durch Deutschland, Österreich, Schweiz, und weiß Gott, wo wir sonst schon waren. Seit über sechs Jahren sind wir eine Band. Und seit über fünf Jahren war ich mit Lydija zusammen. Sie gab mir doch immer die Kraft, alles durchzustehen. Egal was, sie gab mir den halt, den ich hin und wieder einfach brauchte. Als Auszeit, aus Ruhepol. Und jetzt? Drei Wochen, und ich fühl mich nur noch leer. Keiner mehr, mit dem ich nach den Konzerten telefonieren kann. Der mir Mut macht, morgens wieder aufzustehen. Und ist es noch so überwindend. Keiner, der mir halt gibt, wenn ich einen oder zwei Tage frei habe. Seit der Trennung hatte ich genau vier Tage frei. Diese habe ich alleine verbracht. Mit wem sollte ich die Tage auch verbringen. Meine Freunde, die sehe ich mittlerweile den ganzen Tag über.

Die Musik, mit welcher ich mich sonst immer zurück zog, schmerzt nur noch. Immer wieder werde ich daran erinnert, wie ihre Worte in meinen Ohren klingen. “Gustav, bitte. Ich weiß es ist keine Entschuldigung, aber du warst immer weg. Ich hab jemand gebraucht, gebraucht zum reden. Und dann war er da…!” Tränen rannen ihr über die Augen, und am liebsten hätte ich sie in den Arm genommen. Und am liebsten würde ich nun von ihr in den Arm genommen werden, denn schon wieder rinnen mir die Tränen bei den Erinnerungen über die Wange. Brennend heiß, und doch so eisig kalt. Heiß vor Schmerz, und kalt vor Hass. Treue, wir schworen uns Treue. Und was bekam ich. Die Bestätigung für all meine Befürchtungen. “Gustav, was ist den heute los mit dir?” Bills sanfte, aber dennoch klare Stimme neben meinem Ohr reißt mich schlagartig aus den Gedanken und schon fast automatisch wische ich mit einer Hand über die Augen, damit er nicht sieht das ich geweint habe. Es reicht wenn ich mich damit beschäftige, die anderen sollen sich nicht auch noch Gedanken um mich machen. Ich brauch nicht ihren Mitleid. Ich brauche einfach mein normales Leben wieder. Und das kann nur mit ihr kommen. Aber sie lass ich nicht mehr zu mir. Zu sehr hat sie mich verletzt, erniedrigt und gedemütigt. “Nichts, ist O.K…!” Ich blicke mich im Van um, und sehe, dass nur noch Bill und ich hier sind. Wir stehen an irgend einem Rastplatz. Oder Tankstelle, für mich alles das selbe. “Gustav, erzähl mir doch nichts. Sie fehlt dir. Wieso gestehst du dir das nicht endlich ein?” Bills Worte klingen verurteilende, schon fast so, als würde ich ein Fehler machen. Und es tut verdammt weh gerade von ihm diese harten Worte zu hören. Es schmerzt, zu wissen, dass die besten Freunde einen nicht verstehen. Niemand versteht mich. Ich bin alleine, mit meinen Gedanken. “Bill, bitte. Lass gut sein. Er muss es selber entscheiden, was gut für ihn ist…!” Tom klopft Bill auf die Schulter und klettert dann zurück auf die vordere Sitzreihe, auf welche sich auch Bill kurze Zeit später mit schüttelndem Kopf fallen lässt. Auch Toms Worte, waren nicht gerade von Verständnis getauft, aber dennoch bin ich ihm auch dankbar. Ich brauche meine Ruhe, ich muss das alles für mich alleine klären. Und Freunde, die mich nicht verstehen, können mir eh nicht weiter helfen. Wahrscheinlich verstehen sie Lydija noch eher wie mich. Vielleicht versteht, Lydjia jeder, nur ich nicht. Sie brauchte jemanden zum reden. Warum den nicht ich, ich verdammt noch mal war ihr Freund. Mir hätte sie alles erzählen können. Wann immer ihr danach ist. Nein, nicht wann aber jedenfalls immer dann, wenn ich Zeit hatte. Augenblicklich rutscht mein Herz noch eine Etage tiefer. Mein Kopf scheint explodieren zu wollen. So viele Gedanken, Gefühle und Emotionen, die ich einfach nicht zuordnen kann. “Bill…?” Kleinlaut stupse ich ihn nach einer weitern Stunde schweigend an der Schulter an. Er zögert kurz, und zieht dann letztlich doch seine Ohrstöpsel aus den Ohren um sich zu mir umzudrehen. “Was ist!”, entgegnet er mir kalt und trocken.

Er ist noch sauer, dass ich nicht mit ihm gesprochen habe. Er versteht mich nicht. Meine Gerade noch gedachten Gedanken behalte ich doch wieder für mich, und presse nur ein leises Entschuldigung über die Lippen. Gerade wollte ich ihm noch sagen, was mich beschäftigt. Ihn fragen, was er denkt, aber jetzt hab ich den Mut schon wieder verloren. Er nickt nur, wartet noch einige Momente ob von meiner Seite etwas nachfolgt, doch als ich mein Kopf an die kalte Scheibe des Fensters lehne um dem strömenden Regen mit meinem Blick zu folgen, lehnt er sich wieder nach vorne, und hört weiter Musik. Die anderen beiden schlafen schon seit längerer Zeit wieder. Sie haben nichts von der Szene zwischen Bill und mir mitbekommen. Und Dave ist mit seinem Laptop beschäftigt. Mit ihm hatte ich schon gesprochen.

Vertragsverlängerung. Kurz nach der Trennung von Lydija. Ein redlich schlechter Augenblick. Die Musik, die Menschen, die Massen. Dass alles schien mir auf einmal viel zu viel zu sein. Doch immer wieder verfolgte mich sogar tagsüber die Vorstellung, wie Lydija mit diesem Typen schläft. Ich hatte mir zwei Tage Auszeit genommen, um über alles nachzudenken. Viel war dabei nicht heraus gekommen. Und letztlich trieb es mich doch wieder zurück. Zurück zur Band. Zurück zum Trouble. Wenigstens etwas , dass mich noch ablenken kann. Wir passieren gerade die Hauptstraße Magdeburgs, als Toms Handy zu läuten beginnt, und wir alle vier Schreckhaft aus unseren Gedanken, Träumereien und ähnlichem erwachen. Blitzschnell realisiert er, dass sein Handy klingelt und nimmt freudig ab. “Ja?”, klingt seine Stimme euphorisch doch schon kurze Zeit später würgt er den Anrufer auf der anderen Seite ab. “Vergiß es… Nein… Nicht jetzt, es geht jetzt wirklich nicht… Ja ist gut… Ok, bye!” Sein Blick fällt zu Bill, welcher erneut nur mit dem Kopf schüttelt. “Was?”, giftet Tom in unsere Runde und augenblicklich drehen wir unsere Köpfe, in jede Richtung nur nicht in Toms. Die Stimmung ist einfach angekratzt. Die Aufregung, der Schlafmangel wegen der letzten Nacht, die Termine, der Druck. Das alles lastet nicht nur auf meinen Nerven, auch die anderen tragen es nicht ohne Schaden weg. “Wer war da?”, erkundigt sich Georg letztlich, um unser aller Neugier zu stillen. Ja, auch mich interessiert es, wen Tom da so panisch am Telefon nicht sprechen wollte. Sonst ist er eher offen, hat vor uns keine Geheimnisse. “Niemand…!” Tom zieht sein Cape etwas hinunter, und richtet sein Blick aus dem Fenster. Es ist als will er Bill´s Blicken entfliehen. “Niemand?”, stimmt nun auch dieser ein, und ich verfolge das Gespräch stillschweigend. “Niemand heißt niemand. Ja Bill. Und jetzt lasst mich in Frieden!” Tom zieht den I-Pod aus seiner Tasche und kurze Zeit ist der hintere Teil des Vans mit tiefen Basstönen erfüllt. “Gustav, hast du ne Ahnung, was mit…!” Georg deutet auf Tom, doch ich schüttle schon mit dem Kopf. Ich bin ja hier wohl der letzte, der irgend eine Ahnung von irgendwas hat. Ich bin ja der, der nichts versteht. Also bitte, fragt mich nicht. Am liebsten würde ich es laut sagen, doch ich verkneife es mir. “Danke für das ausführliche Gespräch Herr Schäfer!” Entsetzt wende ich meine Kopf zu Georg hinüber, der angesäuert an seinem Handy herumtippt. “Was soll ich groß sagen?” Meine Stimme bebt, ich will am liebsten los schreien. Doch ich kann nicht. Das Image, der Eindruck. Ich verliere meine Beherrschung nicht. Auch nicht vor den mir vertrautesten Menschen. “Ist egal, jammere du nur weiter und bemitleide dich selbst. Die Band interessiert dich eh nur noch nen Scheiß…!” Fassungslos versuche ich seine Worte zu deuten, doch ich kann drehen und wenden wie ich es will. Das gerade, das war purer Ernst. Und auch Bill´s Blick, welcher erschrocken zu Georg gerichtet ist, lässt auf nichts anderes deuten. “Du hast doch keine Ahnung…!”, flüstere ich mehr zu mir selber als zu ihm, um irgendwas zu sagen. Besonders schlagfertig ist es nicht, aber dennoch erzielt es bei Georg seine Wirkung. Auch wenn diese nicht gerade zu meinen Gunsten ausfällt. “Keine Ahnung?! Stimmt, ich habe keine Ahnung. Keine Ahnung, was mit dir los ist! Keine Ahnung, warum du dich so hängen lässt. Vergiss diese Schlampe doch einfach. Denkst du, sie hat es ernsthaft verdient das du nur noch einen Moment über sie nachdenkst. Ja? Man, wach endlich aus deiner Traumwelt aus. Sie ist weg, du hast Schluss gemacht. Tausende Weiber warten nur darauf, dich kennen zu lernen. Für sie bist du Gustav Schäfer, und es interessiert sie rechtlich wenig, ob du eine Freundin hast, die dich betrogen hat. Sie haben keine Ahnung davon, wie es dir geht. Keine Ahnung, wie du dich fühlst, was du denkst…!” “Georg, es reicht jetzt!”, wendet sich Tom nach hinten zu Georg, welcher wütend auf mich herein redet.

Ich höre ihm schon gar nicht mehr zu. Es tut viel zu sehr weh. Ich will nur noch raus hier. Die Luft ist schneidend, und es scheint mir als würde gerade das letzte Stück Leben in mir absterben. Keine Luft, und erstickt von zu vielen Informationen. “Nein, Tom. Es ist so, und du weißt es genauso gut wie ich und auch Bill…!” Sofort wedelt Bill mit seiner Hand wild in der Luft herum und deutet von sich zwischen mir und Goerg und auch Tom herum. “Ich hab damit überhaupt nichts zu tun. Ich singe, und heute Abend werde ich persönlich bei meiner Freundin verbringen…!” Er senkt seine Stimme. Es tut ihm leid was er gesagt hat, aber warum. Ich gönne ihm sein Glück. Mittlerweile ist eh schon alles kaputt. Mein bester Freund, enttäuscht von mir. Ich sehe es ihm an. Denn so gut wie Bill und Tom sich kennen, kenne ich Georg. Und diese vor Zorn funkelnden Augen sich nicht die Wut die in ihnen spiegelt, sondern Enttäuschung. Ich will Worte finden, nur um irgendwas zu sagen, doch ich bin gefesselt. Gefesselt an Lydija, an den Van, an alles. Ich will hier weg. Raus, klare Gedanken finden. “Leute wir sind da. Ich lass euch aber nur raus, wenn ihr euch nicht prügelt!”, erklingt Davids Stimme nach weitern zehn Minuten fahrens. Sofort löse ich den Sicherheitsgurt und springe zur Tür. “Hey Gustav vergesse bitte nicht, das wir nachher noch ein Zeitungs….!” Davids Worte fallen mir wortwörtlich in den Rücken und der Wind, welcher scharf um meine nackten Oberarme weht, beißt sich in meine Haut ein. Ich ignoriere den kalten Winterwind. Ich will nicht zurück meine Jacke holen. Lieber erfriere ich an Wetterkälte, wie an der Kälte, die mir die wichtigsten Menschen in meinem Leben entgegenbringen.

Genau die wichtigsten, auch Lydija, sie ist neben meiner Familie und meinen Freunden der wichtigste Mensch in meinem Leben gewesen. Bis zu diesem einen Tag. Dem Tag als sie mir sagte, das sie mich betrogen hat. In dem Augenblick, brach nicht nur für mich, nein auch um mich herum eine Welt zusammen. Alles um mich herum wurde Schwarz. Mein Leben veränderte sich von einer Minute zur anderen. All das ist noch nicht mal lange her. Um genau zu sein, 3 Wochen. Während die anderen schon im Backstage Bereich der Halle verschwunden sind, gehe ich noch immer hinter der Halle auf und ab, wo der Schnee Kniehoch liegt. Doch all das interessiert mich nicht. Die Kälte brennt auf meinen Armen schon fast wie Feuer. Angst davor Krank zu werden hab ich nicht. Und wenn schon! Wem würde das schon noch interessieren? Immer wieder, wiederholen sich Lydijas letzten Worte in meinem Kopf. Sie verschwinden einfach nicht mehr. Zu sehr hänge ich einfach an ihr. Auch wenn ich Schluss gemacht habe, umso mehr merke ich jetzt, das ich noch an ihr hänge, aber sie hat mich betrogen und so was kann ich beim besten Willen nicht verzeihen. Sie hatte ja Recht, ich war wirklich nicht da für sie, aber sie und auch ich, wir beide wussten auf was wir uns da einließen. Keiner konnte voraus sehen, das Tokio Hotel so einschlägt und vor allem das wir das Ausland so begeistern, worüber unsere Manager gar nicht erst groß mit uns verhandelten schon waren wir in Frankreich, Moskau und was weiß ich wo nicht noch alles. Jedenfalls war es jeden Tag der selbe Stress, nur in einer anderen Stadt und immer ein anderes Hotelzimmer. Immer hab ich und auch die anderen von diesem Leben geträumt. Doch jetzt wo mich Lydija betrogen und ich sie verlassen habe, vermisse ich mein altes Leben mehr als sie. Unbeschwert und frei. Aber genau daran ist heute schon nicht mehr zu denken. Alleine die ganzen Groupies und das alles was derzeit um mich, um die Band geschieht. Da kann man kein normales Leben mehr führen. Wenn ich es mir noch so wünschen würde!

Zu sehr bin ich in meinem Gedanken vertieft um den Ruf von David zu hören, immer wieder Lydija immer wieder mein Leben. “VERDAMMT GUSTAV, schau das du deinen Hintern hier rein bewegst, ich hab keine Lust dich auch noch zu bemuttern wenn du krank wirst”, schreit David mir nochmals entgegen, wobei ich ziemlich erschrecke. Erschrocken von seinem Ton und von seinem Gesichtsausdruck. Verdattert bleibe ich weiterhin wie festgefroren am Fleck stehen. “Na was ist los Herr Schäfer muss ich dir erst in deinen Arsch treten oder kommst du von alleine?” Was hat den denn geritten, schießt es mir in den Kopf, aber um dies aus zu sprechen, bin ich einfach zu weit unten mit meinen Nerven mit meiner Laune und überhaupt will ich mich mit meinem, unseren Manager nicht anlegen. Von Anfang an war er wie ein Bruder für uns alle, wobei mich mittlerweile immer öfter das Gefühl überkommt, dass die alte Vertrautheit zwischen ihm und der Band sich in Luft auflöst und sich im Rauch des Erfolges auflöst. Warum auch immer, damit müssen wir auch leben. Vielleicht kommt es mir ja auch nur so vor.. Langsam trotte ich an ihm vorbei, wobei er mich nur mitfühlend ansah. “Man Gustav, auch Liebeskummer geht vorbei, vergiss sie doch endlich…”, bringt er mir noch entgegen, doch klingt es eher trocken und kalt, als wirklich fürsorglich. Ich drehe mich noch kurz um, blicke ihm entgegen und winke dann doch ab, ehe ich schon auf der Toilette verschwinde. Dort sperre ich mich in einer Kabine ein und lasse mich verzweifelt zu Boden. Tränen laufen mir das erste mal über meine Wangen. Das erste mal seit der Trennung. Am liebsten würde ich in diesem Augenblick alles hinwerfen, aber das kann ich den Jungs nicht antun. Außerdem hab ich vor kurzem bei David eine Vertragsverlängerung unterschrieben. Im Grunde sitze ich so was von fest in meinem Traum. In dem Traum, der immer mehr zur Höhle und Qual für mich selber wird. Mein immer wiederkehrendes Schluchzen kann nur ich selber an der Wand abprallen hören. Ruckartig verstummt dies, als die Türe zu der Toilette aufgeht! An den Schritten, vielmehr an den Schuhen kann ich schnell hören, dass es niemand anderes als Bill ist. Ausgerechnet er, warum nicht Tom? Warum eigentlich Tom? Der würde mich so oder so nicht verstehen. Er, der immer andere hat. Frauen wie Papier benutzte und sie am nächsten Tag sorgfältig zum Altpapier dazu legte. Ich versuche mich ruhig zu verhalten, doch genau das scheitert, indem meine Nase beginnt zu jucken, und wenige Momente später schon ein Niesen den kalten Toilettenraum erfüllt. Fuck! Ist das vielleicht schon der Anfang einer deftigen Erkältung? Verdient hätte ich sie ja, so wie ich hier umher laufe. Bei -5 C° und ich laufe im T- Shirt durch die Gegend: Von meiner Mum würde ich genau jetzt wieder eine Predigt über richtige Kleidung im Winter erhalten. In meinem neuen Leben ist sie jedoch nur noch kaum da. Gerade mal an Feiertagen oder wenn wir mal wieder freie Tage erleben. Freie Tage, die nur noch sehr selten sind. Meine Mum, mein Dad und auch meine Schwester Franziska. Ich habe wahnsinnige Sehnsucht nach ihnen. Ihre Wärme und Geborgenheit fehlen mir sehr.
Ein hämmern gegen die Türe reißt mich heute schon zum wiederholten male aus meinen Gedanken. Warum können die mich nicht einfach mal alle in Ruhe lassen? Doch da kommt es wieder. Wir haben ja ein Konzert, verdammter Mist das auch noch! Jetzt auch noch glückliche Miene machen. “Gustav ich weiß das du da drinnen bist! Mach hinne wir müssen in 5 Minuten auf der Bühne stehen…!”, kommt es im strengen aber ruhigen Ton von Bill. Nachdem ich mich endlich überwunden habe aufzustehen, sperre ich auch die Türe endlich wieder auf. Vor mir steht ein mich musternder Bill.
“Gustav…, tu dir selbst einen Gefallen und vergiss sie endlich. Wenn sie dich betrogen hat, war sie nicht die richtige für dich…” und verlässt damit die Toilette, aber er lurt noch mal rein… “….und jetzt komm endlich…!” Mühselig gehe ich auch aus der Toilette wo schon wieder David auf mich wartet und mich ernst ansah. Oh man, der Kerl geht mir echt auf den Geist. “Gustav rauf mit dir…”, kommt es von einem Ordner der mir zurief. Im Eiltempo sprinte ich auf die Bühne hinter mein Schlagzeug, die Teenies beginnen zu kreischen wie jeden Tag. Wenn mich das noch so nervt, jetzt wo ich hier sitze, mit meinen Sticks in der Hand hinter meinem Schlagzeug, bekomme ich das Gefühl nicht los, in eine andere Welt entweichen zu dürfen.. Die Traumwelt, die immerhin noch mir gehört. Mit der Musik die mir am Herzen liegt, damit andere Menschen glücklich zu machen und das gelingt mir dennoch immer wieder jeden Abend wieder.
Wie jeden Abend spiele ich die ersten Takte von ‘Jung und nicht mehr Jugendfrei’ an, nach und nach betreten auch die anderen die Bühne. Und bis letztlich Bill auf der Bühne scheint, ist die Hysterie längst unaufhaltsam in der Halle ausgebrochen. Schön langsam kapiere ich mehr und mehr, wieso man uns immer wieder mit den Beatles vergleicht. Bei denen war die Hysterie genauso. Aber sie waren eindeutig länger im Geschäft als wir. Okay wir stehen auch noch am Anfang und keiner kann sagen wie lange wir noch auf der Bühne stehen werden. All das steht eben noch in den Sternen. Sicher werden unsere vier oder waren es doch fünf? Egal, unsere Manager und alle drum herum alles geben das wir lange im Geschäft bleiben. Immerhin leben sie ja auch von uns.

Bald schon sind auch die letzten Takte der Zugabe zu Ende. Wie jeden Abend verabschiede ich mich vom Publikum, indem ich an den Rand gehe und mich vor allen verbeuge. Ich habe die ganze Halle für mich alleine. Ich, die Fans und die Halle, werden wie jeden Abend eins. Unglaublich! Damit weiß ich, das ich meinen Traum lebe. Dieser aber auch gleichzeitig zur Hölle wird. Letztendlich verlasse auch ich die Bühne und verkrieche mich in die Kabine zu den anderen. Wie auch sonst jeden Abend sitzen sie da und redeten über den Hexenkessel in der Halle über die begeisterten Fans. Mich lässt das schon wieder alles kalt und still verziehe ich mich mit meinem I Pod in eine Ecke. Sicherlich bleiben mir die abwechselnden Blicke der Jungs nicht verborgen. Nach einer Weile verlässt Tom nachdem David ihm irgendwas sagte ruckartig die Kabine. Warum auch immer, aber das interessiert mich so gar nicht. Wird bestimmt wieder irgendeine Chiqua auf ihn warten. Wie kann er nur immer wieder, mit einem anderen Mädchen in die Kiste springen? Dem seine Einstellung werde ich nie verstehen. Vielleicht will ich sie auch gar nicht verstehen.

Um von meinem Adrenalintripp wieder runter zu kommen, lausche ich Michael Buble. Einer meiner Lieblingskünstler, neben Metallica natürlich. Ja wie gerne würde ich mal wieder unbeschwert auf ein Konzert gehen und nicht ständisch nur welche geben! Aber das ist nun mal mein Leben, daran kann ich einfach nichts mehr ändern. Bill und Georg unterhalten sich angeregt, was mir eigentlich schon wieder auf den Keks geht, da ich in letzter Zeit nur noch wenig in Gespräche mit ein bezogen werde, um genau zu sein, erst seit der Trennung von Lydija. Da ist sie schon wieder, in meinem Gedanken. Irgendwie schon klar, das er früher oder später wieder kommen musste. Meinen I- Pod wieder zusammen gewusselt und in meine Hosentasche damit. Da mich die beiden eh nicht beachten, mache ich mich auf den Weg nach draußen auf den Flur um da zu warten, bis wir endlich zum Hotel fahren. Obwohl wir heute das Konzert in Magdeburg spielen, können wir nicht nach Hause, da wir am nächsten Tag schon wieder weiter müssen. Meine Familie hab ich gar nicht her gebeten, vielmehr hab ich ihnen gesagt, das sie nicht kommen sollen. Für mich wäre es so oder so schwer geworden mich zu verabschieden. Bei dem Gedanken wird mir einfach mulmig im Bauch.
Immer mehr nähere ich mich dem Flurende. Da höre ich zwei Stimmen aus einem Raum, dem ich dann immer näher trete. Meine Augen werden immer größer, denn die beiden Stimmen sind mir mehr als nur sehr gut bekannt. Tom und ja…., ja das ist eindeutig ihre Stimme. Diese ruhige, ja fast Engelsgleiche Stimme von Lydija. Auch wenn ich sie nur höre, treten mir Tränen in die Augen, die ich allerdings in ihnen festhalte. Auf gar keinen Fall Schwäche zeigen, das würde mich so oder so nicht weiter bringen.

“Versteh doch Tom, das hat doch keinen Sinn, er redet doch schon gar nicht mehr mit mir. Wenn ich anrufe, drückt er mich weg. Was bringt mir das denn noch? Er hasst mich für das was ich getan habe und ich versteh ihn, es war alles andere als fair was ich da getan habe. Ich hab mich nach Liebe, Zuneigung und Wärme gesehnt, doch Gustav war nicht da…., immer und überhaupt war er nicht da wenn ich ihn gebraucht habe. Nur über das Telefon, das hat einfach nicht mehr gereicht. Versteh du mich doch wenigstens. Tom…, ich liebe Gustav, egal wie es weiter gehen wird, er wird immer ein Teil von mir bleiben. Und ich weiß, das er mir DAS nie in seinem Leben verzeihen kann!” höre ich Lydija von drinnen, nachdem ich mit meinem Ohr schon an der Türe klebe. Bei diesen Worten merke ich eine einzelne Träne die mir über die Wange rolle und ich erst mal schlucken musse, das nicht wirklich geht, da mein Hals richtig ausgetrocknet ist. Kurze zeit herrscht komplette Stille zwischen den beiden, bis Tom seine Sprache wieder findet. “Lydija ihr müsst miteinander reden, ihr macht euch beide fertig!” Gerade will sie antworten, als Tom die Türe öffnet und ich fast hinfliege, da ich an der Türe lehne. Es sind vielleicht 5 Meter Abstand noch zwischen Lydija und mir. Wieder wird der Raum von ruhe umhüllt, was mir selber ziemliche Nagst einjagt. Wir stehen uns gegenüber, sehen uns in die Augen. In ihren kann ich Tränen entnehmen und ich bin wahrscheinlich auch nicht mehr viel davon entfernt.
“Ich lass euch beiden mal alleine….”, mit dem Satz verlässt Tom dann auch schon den Raum. Nun sind wir alleine. Ein enger Raum. Zumindest kommt er mir so vor. Keiner traut sich den ersten Schritt machen. Am liebsten würde ich raus laufen und hinter mir die Türe schließen. Erkennen, das ich das alles hier einfach nur träume. Doch so sehr ich mich auch zwinge aufzuwachen, e ist und bliebt wahr!

“Gustav…, bitte hör mir doch nur einmal zu, ein einziges mal….”, macht sie den ersten Schritt mit zittriger Stimme. Erst zucke ich zusammen und erhebe letztendlich auch meinen Kopf und sehe ihr noch mal in ihre wunderschönen Augen, die mir am ersten Tag schon aufgefallen waren. Ich schüttele meinen Kopf…, “Es hat doch keinen Sinn….” und verlasse dann das Zimmer, gehe aus dem Gebäude zum Tourbus, wo mich zwei gespannte Augenpaare anstarren. Bill und Georg! “Was habt ihr? Habt ihr nichts zu tun?”, damit verkrieche ich mich in meine Schlafkoje und ziehe den Vorhang vor. Ich will einfach nur alleine und für mich sein. Es vergeht eine halbe Stunde, bis auch endlich Tom mit David den Bus besteigt. “Keine Chance, es scheint endgültig Schluss zu sein, bei den beiden!” höre ich ihn noch sagen und somit bleibt es still bis hin zum Hotel. Man könnte eine Stecknadel fallen hören , bei dieser Ruhe. Mit meinen Gedanken bin ich eh schon wieder weg und die Jungs anscheinend auch. Irgendjemand zockt zwar an der Playstation hinten am Bus, das kann ich vernehmen aber mehr interessierte es mich nicht wirklich.

“Los raus Jungs, ab mit euch ins Hotel, wir sind da” ruft David durch den Bus. Mein einziger Gedanke ist im Moment eigentlich nur noch schlafen. Ins Bett und schlafen.
Vor dem Hotel stehen natürlich schon wieder Fans! Wie jeden Abend, freundliche Miene, Fotos hier Fotos da und schön fleißig Autogramme geben, immerhin lebe ich ja von ihnen. Nach 30 Autogrammen kann ich mich los reisen, von Saki unserm Bodyguard meinen und Georgs Zimmerschlüssel holen und endlich nach oben gehen. Auch Georg folge mir bald. Worte werden keine gewechselt, zu erledigt vom Konzert, wie immer. Umgezogen, rein ins Bett und bei ihm ist es nicht anders. Alles was fällt ist ein ‘Gute Nacht’ und der Radio läuft um noch etwas aus Deutschland und der Welt mit zu bekommen. Meine Gedanken sind eh schon wieder bei Lydija, bei unserem plötzlichen Aufeinandertreffen und unserem kurzen Gespräch. Wie Recht ich hatte, es würde so oder so nichts bringen, das Vertrauen ist weg auch wenn ich sie vielleicht auf irgendeine Weise noch lieben sollte, die ich bisher nicht gefunden hatte.

Another summer day
Has come and gone away
In Paris or Rome...
But I wanna go home
Maybe surrounded by
A million people I
Still feel all alone
Just wanna go home
Oh, I miss you, you know

And I've been keeping all the letters
that I wrote to you
Each one a line or two
I'm fine baby, how are you?
I would send them but I know that it's just not enough
My words were cold and flat
And you deserve more than that

( dt.
Noch ein Sommertag ist gekommen und wieder gegangen
In Paris oder Rom...
Aber ich möchte nach Hause
Vielleicht bin ich umgeben von
Millionen von Menschen
aber ich fühle mich trotzdem alleine
Ich möchte nur nach Hause kommen
Oh ich vermisse dich, du weißt es

Und ich habe alle Briefe behalten
Die ich dir geschrieben habe
Jede der einen oder zwei Linien
Mir geht’s gut Baby, wie geht’s dir?
Ich wollte sie dir schicken aber ich wusste, sie waren nicht genug
Meine Wörter waren kalt und platt
Und du verdienst mehr als das )

Michael Buble´s „Home“ das passt perfekt zu meiner Lage!
Mit diesen Song und den Gedanken morgen schon wieder in einer neuen Stadt zu sein und wieder einen Tag wie jeden durchleben zu müssen, schlafe ich auch ein …
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