Tini

Irgendwann

Heute war es wieder so weit. Wir hatten wieder ein Konzert! Über 10000 Leute waren heute da. Ja, das sind ziemlich viele. Und ich bin mal wieder tierisch aufgeregt. Du, der zu meiner Rechten saß quatschtest mich schon seit Stunden voll. Ich hörte dir aber nicht richtig zu. Mit meinen Gedanken war ich wo ganz anders. Gustav der trommelte wieder wie wild auf jedem Gegenstand herum, der ihm in die Quere kam und Georg saß relaxt auf dem Sessel. Aber meine Gedanken wusste keiner, nicht einmal du. Mein eigener Zwilling wusste zurzeit nicht wie es mir ging. Und das war wohl auch besser so. Du würdest mich bestimmt auslachen oder sonst was. Und dass wollte ich nicht. Mit Georg und Gustav würde ich darüber wohl auch niemals reden wollen mir würde dass einfach zu peinlich sein. Ich fraß alles nur noch in mich hinein. Aber was sollte ich auch anderes machen? Mich vor allen zum Affen machen? Nein! Ganz bestimmt nicht. Die Tür ging auf und David kam hektisch herein gerannt. „Kommt Jungs! Das Konzert fängt an“ Und schon war er wieder draußen. Alle standen auf. Ich trottete den anderen lustlos hinterher. Na toll jetzt musste ich wieder vor meinen, nein unseren Fans den fröhlichen Bill spielen. Mir wurde dass alles zu viel. Warum auch immer ich? Du, Georg und Gustav fingen an zu Spielen. Nach etwa einer Minute rannte ich auf die Bühne und Sang. Na klar lächelte ich die ganze Zeit was sollte ich auch anderes tun? Jetzt war wieder die Zeit an der ein Mädchen von der ersten Reihe zu mir rauf sollte. Irgend so ein Mädchen dass mich wieder anfummeln würde, wie ich das hasste. Ich sah alle an, jedes einzelne hatte nur einen BH und einen kurzen Rock an. Es wäre egal welches ich rauf holen würde, für meine Augen sind alle gleich. Darum holte ich irgendein Mädchen hoch und hoffte dass „Schrei“ bald zu ende sein würde. Nach dem Konzert ließ ich mich erschöpft in einen Sessel fallen. Meine Bandkollegen redeten wie verrückt über das Konzert. Aber das interessierte mich alles nicht. Für mich war in diesen einen Moment nur eins wichtig und zwar schlafen! Nach langen hin und her und Abbauen der Bühne fuhren wir endlich zum Hotel. Ich saß in der hintersten Ecke und schaute aus dem abgedunkelten Fenster hinaus. Nicht anders zu erwarten stand wieder ein Haufen von Fans vor dem Hotel. Ach nein! Also musste mein schönes kuscheliges Bett noch warten. Ich schrieb ein paar Autogramme und versuchte dann unauffällig ins Hotel zugelangen. Aber nein so ein kleines dummes Mädchen musste mich ja sehen. „Kann ich mit dir ein Foto machen?“ fragte sie nett. Am liebsten hätte ich sie angeschrieen. „Ja klar“ antwortete ich aber dennoch lächelnd. Irgendwann schafften wir es aber ins Hotel und ich verabschiedete mich auch nicht lange und verschwand in meinem zugeteilten Zimmer.


Von der Sonne geblendet wachte ich auf. Ich schaute auf den Wecker der neben mir stand. 6 Uhr. So früh erst? Sonst schlief ich doch auch viel länger und die anderen brauchen erst mal Stunden bis sie mich aufgeweckt haben. Und was mach ich jetzt noch den ganzen Morgen bist die anderen auch wach sind? Erst mal duschen. Das warme Wasser prasselte auf meine Haut. Das tat gut. Ich liebte das duschen. Ich drehte das Wasser aus und schäumte mich und meine Haare ein. Nachdem ich den Schaum ab bekommen hatte trocknete ich mich ab und zog mich an. Für das Schminken hatte ich jetzt wenig Lust darum föhnte ich nur kurz die Haare und beschloss in den Park zu gehen, der hinter dem Hotel war. Keine 10 Minuten später marschierte ich auch schon langsam los. Ich kam an vielen Pärchen vorbei, wie schön wäre es, wenn ich meine große Liebe schon längst gefunden hätte, oder habe ich sie schon gefunden und will es nur noch nicht wahr haben? Nein, nein, nein das kann nicht sein. Ich setzte mich ans Ufer von einem See. Die Oberfläche glänzte manchmal sah man ein paar Enten und Möwen. Wie gern wäre ich auch mal so frei. Keine Konzerte, keine Fans, keine die mich steuern, einfach nur dass mache wozu ich Lust hätte. Genau wie früher als wir noch nicht berühmt waren. Ich dachte immer berühmt sein wäre cool und aufregend aber das ist alles andere davon. Nur Stress. Ich nahm einen Stein und warf ihn ins Wasser. Blubb. Er ging unter. Wenn ich nicht bald mal frei hätte würde ich genau so untergehen. Ich kann nicht mehr. Nein ich kann nicht mehr den fröhlichen Bill spielen. Warum merkte das keiner? Nicht mal Du. Du bist doch mein Zwilling. Wir konnten und noch nie was vor machen. Und jetzt war alles anders. Am liebsten würde ich mein Leben gegen mein altes Leben tauschen. Aber was würden die Fans dazu sagen? Ich war so in Gedanken vertieft dass ich nicht mal merkte wie sich jemand neben mich setzte.

„Was tust du denn hier so allein?“ fragte eine zarte Stimme eines Mädchens. Warum? Warum mussten mich die Fans immer und überall finden? Kann man nicht einmal ruhe haben? Ich sah sie an. Sie war hübsch. Hübscher als ich dachte. Sie hatte etwa schulterlange blonde Haare, hatte gras-grüne Augen und war sehr schlank. „Ich konnte nicht mehr schlafen“ antwortete ich knapp. „Und was machst du hier?“ fügte ich hinzu. Einen Moment schwieg sie und sah ins Wasser. „Ich auch nicht“ antwortete sie. Ich sah sie an, wollte in ihre Augen sehen, sie sah aber bewusst in den See, trotzdem glaubte ich ihr nicht. Es musste etwas anderes sein. War sie genau so ein Fan der nur mal mit mir reden wollte weil ich schon mal in einer Zeitschrift war? „Ich bin Lara“ riss sie mich aus den Gedanken. Sie lächelte mich an. Sie faszinierte mich, doch ich wollte es ihr nicht zeigen. Wollte nicht ausgenutzt werden. Wieder war es dieses Gefühl einfach alles hinzu schmeißen und wieder in mein altes Leben zurück zu kehren. Ich merkte wie sie mich fragend ansah. „Bill“ reichte ich ihr die Hand. „Bill? Du kommst mir bekannt vor“ sagte sie nachdenklich. Die Wut stieg in mir auf. Ich kam ihr bekannt vor? Ach dass sie es auch mal merkte. Ich wusste doch sie ist wieder so ein blöder Fan war. „Mhm kann sein“ murmelte ich anstatt ich sie anschrie wozu ich jetzt Lust hätte, aber als ach so toller Star kann man ja nichts mehr machen ohne dass es in die Zeitung kam. „Bist du nicht der Bruder von Tom?“ sie sah mich genau an. „Ja bin ich“ sagte ich und schmiss wieder einen Stein ins Wasser. Was sollte ich denn schon fragen? Woher sie ihn kannte? Was wäre dass des für eine Frage, na klar wusste ich woher sie ihn kannte. „Bill?“ ich sah sie an. „Kennst du mich denn wirklich nicht mehr?“ lächelt sie. Was? Ich soll sie kennen bei so vielen Fans. Vielleicht war sie ja auf einen Konzert in der letzten Reihe. Ich schüttelte nur den Kopf. „Mhm“ sagte sie enttäuscht. Was will sie denn von mir? Ich kann mir doch nicht alle merken. Eine zeitlang sagte keiner mehr was, darüber war ich auch froh. „Es war so lange her. Ich glaube es war vor 7 Jahren“ fing Lara an. Mein Gott was will die denn? Sie sah mich an und nahm meine Hand. Ich zog sie weg und sah sie entsetzt an. „Bill du hast dich sehr verändert“ Kann die mir nicht einmal sagen wer sie ist? „Okay es ist besser wenn ich jetzt gehe“ meinte ich und stand auf. Sie hielt meine Hand und sah mich traurig an stand dann auf und Umarmte mich. „Kannst du dich noch an unser Versprechen erinnern? Wir sind immer füreinander da? Bill ich hab dich und Tom vermisst“ flüsterte sie mir ins Ohr und rannte weg.

Jetzt war ich wieder im Hotel und lag im Bett. Diese Lara ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Was meinte sie denn damit? Ich kenn sie doch gar nicht. Die Türe wurde aufgerissen und du kamst hereingestürmt. „Bill es gibt es gute Nachricht“ grinst du fröhlich und riss mich somit aus meinen Gedanken. „Was soll es da schon Gutes geben?“ fragte ich mürrisch zurück. „Wir haben heute frei“ lachst du und bevor ich antworten konnte warst du schon wieder aus meinem Hotelzimmer gerannt. Einen Tag frei. Wie schön einen Tag. Was ist schon ein Tag? Ich merkte jetzt erst dass ich Hunger hatte, deswegen ging ich runter in den Saal wo auch schon David saß. „Morgen Bill und was machst du heute noch so“ fragte er mich fröhlich. „Ach ich weiß es nicht. Vielleicht gehe ich in den Park hinter dem Hotel und chill ein wenig“ setzte ich ein Lächeln auf, was mir nicht besonders gut gelang. Aber David merkte das überhaupt nicht denn dieser schenkte seiner Zeitung, die neben ihm lag seine ganze Aufmerksamkeit. Ich holte mir ein Brötchen und aß es auf dem Weg zum Park, wollte nur allein sein in keinem Hotel das mich daran erinnert, dass wir berühmt waren. Ich wollte wieder an den See von heute morgen. Als ich dort ankam sah ich diese Lara wieder. „Na auch wieder da“ sagte ich und setzte mich neben sie. Lara sah mich erschrocken an. Dann nickte sie nur. Doch dieses Mal redete keiner von uns. Immer wieder schmiss ich Steine in das Wasser und dachte nach. „Bill, warum? War ich dir so unwichtig?“ fragte sie mit zittriger Stimme. Mir fiel es wie Schuppen von den Augen. „Lara? Meine kleine Lara?“ flüsterte ich. Sie sah mich an und nickte leicht. Ich konnte die Tränen nicht mehr zurück halten. Ich wusste nicht was ich machen sollte, ich war so ein Idiot. Wie konnte ich Lara vergessen? Meine Lara sie war wie eine Schwester für mich und Tom. Wir kannten uns seid dem Kindergarten und waren da schon unzertrennlich. Nur als ich Gefühle für sie entwickelte machte ich alles kaputt. Sie konnte damit nicht umgehen und zog ohne sich zu verabschieden weg. Eine Welt in mir brach zusammen, Tom ging es nicht gerade besser. Tagelang weinte ich ihr nach, sie war mir wirklich unheimlich wichtig gewesen und jetzt habe ich eine der wichtigsten Personen in meinem Leben nicht wieder erkannt, was bin ich für ein Trottel? Plötzlich fiel sie mir um den Hals. „Es tut mir so Leid, echt Bill. Als ich wusste dass du mich liebst habe ich meine Eltern überredet damit weg ziehen ich wollte die nicht leiden sehen. Das war aber noch ein größerer Fehler. Mit jedem Tag mehr wusste ich, ich liebte dich auch aber dann war schon alles zu spät. Ich wollte noch ein Wenig warten und dann zurückkommen, dann aber saß ich einmal in meinem Zimmer es lief Viva und da sah ich euch“ schluchzte sie. Ich merkte wie mein T-Shirt nass wurde. „Lara das war früher die schlimmste Zeit meines Lebens“ flüsterte ich ihr ins Ohr. „Ich weiß Bill. Mir ging es nicht anders kann ich Tom sehen?“ fragte sie mich. Ich nickte. „Bleib du hier ich hole ihn okay? Ich erzähle ihm ich wolle mit ihm allein reden und du kommt dann zu uns wenn ich dir ein Zeichen gebe, verstecke dich hinter einen Baum oder so“ sagte ich und schon war ich auf dem Weg zurück zum Hotel.

Ich fühlte mich viel besser, ich habe einen Freund wieder, war ein Stück weiter ins alte Leben gefallen, wenn auch nur für einen Tag. Im Hotel angekommen suchte ich dich in deinem Zimmer doch dort warst du nicht. Deshalb schaute ich in Georgs. „He Bill hast du schon mal was von klopfen gehört?“ schrie ein halb nackter Georg aus dem Bad. „Weißt du wo Tom ist?“ fragte ich ihn ohne auf seine Antwort zu antworten. „Schau doch mal zu Gustav“ Bei Gustav warst du aber auch nicht. Man Tom einmal wenn man dich braucht bist du nicht da. Na ja in letzter Zeit sind unsere Wege eh auseinander gegangen. Was mich traurig macht. Ich fragte noch David der sagt du wolltest in die Bar um heiße Chicks aufzureißen. Ich ging in die Bar wo ich dich auch sofort sah. „Tom kann ich bitte mal mit dir reden ist wichtig“ fragte ich. Du nickst sofort und folgst mir zum See. Wir ließen uns ins Gras fallen. „Ich vermiss unser altes Leben“ murmelte ich. „Ich auch, mir wird das alles zu viel“ du nimmst mich in den Arm, was wir schon lange nicht mehr getan haben. „Was vermisst du am meisten von unserem Leben?“ fragte ich leise. „Unsere Freunde besonders Andi und…“ du brichst mitten im Satz ab. „Und?“ hackte ich nach. Und biss mir sofort auf die Lippe, warum war ich immer so direkt wir waren schon lange nicht mehr so nah dann wirst du mir doch nicht deine Probleme erzählen. „Lara, ich vermisse sie immer noch wie am Anfang“ als ich dich hörte, war es wie ein Stich. Ich kam mir noch dümmer vor als zuvor. Sogar du denkst noch an sie. Wie kann man denn nur so dumm sein wie ich? „Bill? Denkst du noch viel an sie?“ reißt du mich aus den Gedanken. Was soll ich denn jetzt nur machen? Ich kann dich doch schlecht anlügen aber dir die Wahrheit zu sagen? Nein dafür schäme ich mich zu sehr. Du siehst mich fragend an. Ich erblickte Lara auf der Bank hinter uns und gab ihr das Zeichen. Sie kam langsam zu uns und setzt sich neben dich. Du bist immer noch damit beschäftigt mich anzusehen, dass du sie nicht bemerkst. „Hey Tom“ sagt sie schüchtern. Du drehst dich erschrocken zu ihr. „Lara?“ fragst du leise. Ich komm mir so blöd vor, du hast sie erkannt und warum ich nicht? Warum? Ich sah noch wie ihr euch umarmt dann war ich auch schon weg. Ich setzte mich irgendwo weit weg von euch an einen Baum gelehnt ins Gras. Ich weinte, konnte die Tränen einfach nicht zurück halten. Wofür lebe ich denn noch? Mein Leben ist nicht dass das ich will, ich erkenne meine beste Freundin nicht, so blöd wie ich bin würde ich nicht einmal Andi erkennen wenn er vor mir stehen würde. Die Tränen suchen sich den Weg über mein Gesicht und fallen am Kinn zu Boden. Ich raffte mich auf und ging immer noch weinend zum Hotel zurück hoffte sehr dass mich keiner sah. Ich suchte nach einem Blatt und einem Stift.

Hey Lara, Hey Tom

Mein Leben wollte ich nicht mehr leben
Wollte einfach mein altes Leben zurück
Aber das ging nicht,
Ich wollte alles versuchen,
aber als ich heute am See nicht mal Lara wieder erkannte
war ich so am Ende
Wie du, Tom sie wieder erkannt hast
Schämte ich mich zu Grund und Boden
Ich wollte das letzte Jahr wieder frei sein und dass
Werde ich jetzt auch
Wenn ihr den Brief liest werde ich nicht mehr sein
Ich hoffe ihr versteht mich
Passt auf euch auf ihr seid die wichtigsten Menschen
Meines schrecklichen Lebens
Irgendwann werden wir uns wieder sehen,
Irgendwann.

Ich werde euch immer lieben
Euer Bill

Immer wieder fielen Tränen auf ein den Brief, dass konnte ich nicht vermeiden. Aber jetzt wollte ich nur eins Frei sein. Ich legte den Zettel an den Ort wo wir uns wieder gefunden haben und zwar an den See. Dann ging ich auf das Dach des Hotels und sah hinunter. Dann sprang ich. Ich war so frei wie noch nie. Es tat gut. Die ganze Zeit lächelte ich dann merkte ich einen Aufprall und alles war schwarz.
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